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Warum Gottesdienste?

Wed 28. Jun 2006 - Sam - kommentieren

stummKürzlich kam eine Frage auf zu einem Mail von mir. Ich antworte auf diese Frage hier mal per Blog und bin dankbar um jeden Kommentar!

Die Frage:

Ich zitiere folgende Aussage von Dir und habe eine Frage dazu:

Zitat: Um den vielen Leuten, die bei unseren jetzigen Formen nichts mit unseren GDs anfangen können entgegenzukommen müssen wir einfach über unseren Schatten springen.

Frage: Von wievielen Leuten sprechen wird da… gibt es wirklich Zahlen dazu? Generell bin ich der Meinung, dass wir das allgegenwärtige Thema ‘Besucherfreundliche GD’s’ mal besprechen sollten. Meiner Meinung nach ist dies wichtig aber nicht zentral. Gott ist der, welcher wahre Anbeter sucht, er ist der Suchende. Ich glaube, dass die Gemeinde nicht in erster Linie für Ungläubige gemacht ist. Lies mal Kapital 14 im ersten Brief von Paulus an die Korinther.

Meine Antwort:

Der Text (1. Korinther 14) sagt nichts darüber aus, wie hoch die Prozentzahlen von “Besuchern” sein sollten. Es geht aber hervor, dass wir nicht allzu abstruse Sachen machen sollten, die Besuchern in Panik versetzen könnten. Also: es gibt Besucher und man soll auf sie Rücksicht nehmen. Deutlich ist aber: Prophetie ist easy für Besucher ;-)

Diese Vorschläge für passende Formen für die Korinther könnten uns heftig herausfordern – denn was wir da lesen deckt sich nicht mit heutigen Gottesdienstformen in den meisten Kirchen. Es ist mehr die Rede davon, dass jeder was kleines (5 Worte, Prophetie, Psalm) beiträgt. Partizipation statt Guru.

[...] Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder einen Psalm, hat eine Lehre, hat eine Offenbarung, hat eine Sprachenrede, hat eine Auslegung; alles geschehe zur Erbauung [...]

Es muss nicht für uns so sein, wie damals in Korinth – aber auf der Suche nach geeigneteren Formen für das Jetzt können diese Gedanken inspirieren. Es tut gut, im Hinterkopf zu wissen, dass “unsere GD-Formen” nicht biblisch fundiert sind – so bleiben wir flexibel für Veränderungen. Eine der Hauptanforderungen in der Nähe von Jesus ;-)

Im “gängigen Stil” reicht doch 1 Gottesdienst oder weniger pro Monat locker, oder? Letztens musste ich die Frage beantworten “Weshalb Gottesdienst?” und meine Antwort (die ich für mich behielt) war “keine Ahnung” – Antworten von anderen schienen mir nicht (viel) besser.

Wenn du nun behauptest, der Gottesdienst sollte vor allem für “Interne” sein, dann haben wir wohl einen grösseren Veränderungsprozess vor uns, denn das Ziel wird laufend verfehlt.

Tiefe Gemeinschaft und Freundschaften habe ich sonstwo in einer kleineren Gruppe (das Geschwätz im “Chile-Café” ist ohrenbetäubend, dass ich das fast nicht aushalte). Die Predigt habe ich eh schon gehört, sie kann sowieso nicht auf 200 Hörer passen. Fazit: Die gemeinsame Anbetung und die Gespräche bei Cordon-Bleu im Stadthof nach dem GD (wieder in einer kleineren Gruppe) sind die wertvollen Punkte für mich. Also das Festliche und das Tiefe.

Du merkst: meiner Meinung würde uns ein griechischer Gottesdienst im Korinther-Stil, wie in deiner Bibelstelle beschrieben viel mehr bringen. Vielleicht denken wir nicht in allen Punkten so anders ;-) Ich kann dir auch nicht widersprechen, wenn du sagst:

Generell bin ich der Meinung, dass wir das allgegenwärtige Thema ‘Besucherfreudliche GD’s’ mal besprechen sollten

Ich bin zB überhaupt nicht der Meinung, dass wir mit Multimedia-Einsatz oder viel Geschwätz oder guter Musik Leute überreden oder überzeugen können/sollen/wollen. Von mir aus kann durchaus viel mehr Prophetie im Gottesdienst Platz haben und mein Herz schlägt sehr dafür, dass wir wegkommen von den 1-Mann-Predigt-Sachen und wie dein Text sagt: Partizipation bei allen fördern. Leider geht es aber in den Diskussionen um den Gottesdienst oft um persönlichen Geschmack.

Hingegen frage ich dich (und alle Leser): ist es wirklich so, dass mehr Prophetie im Gottesdienst und mehr Partizipation von den Teilnehmern [statt lange Reden] die Besucherfreundlichkeit senken? Oder Fragen über die Länge des Gottesdienstes? Ich glaube, das wird oft angenommen – man hat Angst, die Kontrolle zu verlieren – Angst, es könnte ungewollt schräg werden. Besucher würden meiner Meinung nach aber gerade das Echte und Spontane (und die Lockerheit) schätzen.

Letzthin hatten wir mangels Musiker eine etwas andere Anbetungszeit (wie du weisst). Zuerst eine ruhige Meditation, dann eine geschriebene Zeit des Gebets – Teilnehmer schrieben Gebete auf die dann vorgelesen wurden. Ich bin nicht der Meditationstyp aber die Gebetszeit hat mich total berührt: die Partizipation. Die vielen Gedanken über Gott und die Dankbarkeit, die den Raum erfüllte. Ich bin sicher: auch Besucher hätten gemerkt, das war nicht künstlich, keine Show – das war “von den einfachen Leuten”. (Danke, dass du das nicht abwürgen liessest)

Jesus wurde Mensch, um von Menschen verstanden zu werden. Paulus sagte, er passe sich der Kultur an, in der er wirkt. Wir sollten die Kultur und Kommunikationsformen unserer Gesellschaft einsetzen – auch wenn das nicht zentraler Glaubensinhalt ist. Während Jesus die ganze Gesellschaft ansprach, sprechen wir vielleicht maximal 2% an, soviel zu Zahlen ;-) Wir sollten mehr fragen: “wie können wir die immer noch relevante Message von Jesus den Menschen von heute verständlich machen?” – statt unsere eigenen Geschmäcker und Traditionen durchzuboxen.

Ich glaube, die revolutionären Lehren von Jesus würden schon ankommen bei den Menschen – wäre die Kirche nicht, wie sie war/ist.

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4 Responses to “Warum Gottesdienste?”

  1. User Gravatar
    Corinne
    June 28th, 2006 13:26
    1

    Ich habe so das Gefühl, dass sich nun die Fragen vermischt haben. Einerseits war die Frage aufgekommen, was mit Besuchern ist (das sind für mich Gäste, die einmal eben zu Besuch kommen, (natürlich mit meiner Hoffnung auf mehr)…) und den Besuchern (für mich eben Mitglidern (ob aufgenommen in der Gemeinde oder einfach Leute die regelmässig teilnehmen am GD)

    Zu den Ersten Besuchern (also Gästen, ok?) Ich glaube nicht, dass wir Gäste-unfreundliche GDs haben. Im Vergleich zu Landeskirchen und auch manchen Freikirchen geht doch bei uns schon ganz schön die Post ab. Was ich vermisse bei uns, ist das ganz offizielle Begrüssen der Gäste. (habe ich schon mal angesprochen, finde ich toll im Bucheggzentrum, da wird jeder persönlich im GD-Saal mit Handschlag begrüsst und ihm ein Umschlag überreicht mit Kaffegutschein und vielen Infos)
    Weiter empfinde ich unsere Art als “gefährlich” das sich Besucher etwas verlohren fühlen, wenn niemand sich um sie kümmert. Vor und nach den GDs ist oft Hektik im Raum, und dann werden die Leute überrannt und übersehen. Ich als Gast würde dann vermutlich Richtung Ausgang flüchten. Wenn sich niemand um einen kümmert, dann fällt das sich-verlohren-fühlen wohl eher ins Gewicht, als der GD (in welcher Form auch immer) selbst.

    So, nun zu den Besuchern (Leute die immer kommen)
    Ich glaube, dass es ganz egal ist, welche Form von GD man wählt. Solange das Richtige Wort verkündet wird…wohlverstanden!
    Wenn die Leute passiv in ihren Stühlen sitzen, wird weder eine herkömmliche, noch eine völlig neue Methode den gewünschten Erfolg bringen.
    Ich denke, dass es daher eher Sinn macht, wie man die Leute dazu motivieren kann, sich aktiv zu beteiligen.
    Am besten denke ich, geht das immer über Kreativität.

    Wir wäre es zum Beispiel mal mit Malstaffeleien, die währen dem GD im Raum stehen, damit die Menschen die einen Eindruck haben, dies in einer kreativen Form zu Papier bringen können. Dies wäre eine Möglichkeit sich einzubringen ohne gleich auf die Bühne stehen zu müssen auch dies ist eine Form von Prophetie => Korinther

    Oder ein GD ohne Predigt, aber zB. jeder bekommt eine Blume. Vorne steht eine grosse Schale mit Steckmaterial. Dann könnte man zB. die Leute einfach Ihre Eindrücke und Bibelverse, die sie im Kopf haben reden lassen, und die die sich dann angesprochen fühlen, können eine Blume einstecken. Fände ich eine schöne Art zu zeigen, dass man gemeinsam GD gestalten kann (im Geist und eben auch bildlich mit den Blumen).

    Oder meinetwegen mit Ton und Töpferscheibe.

    Oder Kerzen und Wachsplatten zum verzieren.

    Es gibt sicher ganz viele Formen, wie man die Leute aufwecken könnte und zum Mitmchen motivieren.

    Aber wie schon gesagt, ich finde unsere Art der GD-Gestaltung schön und auch abwechslungsreich und ansprechend.

    Wie wäre es mal mit einer Umfrage in der Gemeinde?

    Gruss Corinne

  2. User Gravatar
    Sam
    June 28th, 2006 13:36
    2

    Das finde ich einen starken (für mich neuen) Punkt:

    Wenn sich niemand um einen kümmert, dann fällt das sich-verloren-fühlen wohl eher ins Gewicht, als der GD (in welcher Form auch immer) selbst.

  3. User Gravatar
    Marion Klindworth
    November 14th, 2006 12:54
    3

    Hallo, ich las gerade deinen Bericht über die “Besucher”. Mir ist es genau so gegangen.Habe nach langer Zeit den Weg in eine Gemeide gefunde,,(ist schon etwas her),bei einem Basar, dachte es wäre eine Gelegenheit,mit den Leuten ins Gespräch zu kommen,aber weit gefehlt. Es war Ihnen wichtiger, über Ihre eigenen banahlen Probleme zu sprechen. Ansonsten wollten sie noch verkaufen, das wars. Im übrigen brauche ich heute auch keine Kirch Mehr. Menschen zum Reden findet man überall, Gruß Marion

  4. User Gravatar
    Sam
    November 15th, 2006 00:18
    4

    Hi Marion,

    Danke für deinen Kommentar! Es ist wirklich schade, wenn Gemeinden Interessierte abstossen durch solches Verhalten.

    Das kann natürlich (und zum Glück) von Fall zu Fall unterschiedlich sein. Generell würde ich die Folgerung schliessen, dass wenn eine Gemeinde nicht sichtlich wächst, wahrscheinlich ein solches Problem da ist. Wird wohl in den meisten Gemeinden der Fall sein.

    Generell wird das wohl “das normale” Verhalten sein in Gemeinden, die keine Vision haben, etwas zu bewirken in ihrer Region. Einfach weil ein normaler Mensch wohl lieber mit bekannten Leuten spricht, als sich aus seiner Comfort Zone heraus zu wagen. Ich selbst habe ziemliche Mühe, mit jemandem wildfremdes ein Gespräch zu starten, mir fällt einfach nichts ein zu sagen ;-)

    Gruss,
    Sam

    PS. wie hast du diesen Eintrag gefunden im ganzen Internet-Sumpf?

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