Respekt vor Natur

Irgendwann in der Ferienzeit, kam die Idee auf, den Gottesdienst vom 6.8. zu übernehmen. Zum Thema “Staunen” bzw. “die Genialität Gottes in der Welt erkennen”. Wir vier sassen also in Ungarn am Plattensee bei ungarischem Stierblut-Wein in Frieden zusammen, um unsere Ideen auszutüfteln. Vom Stil her sollte es schon “postmodern” sein, was an sich keine Definition ist. Es sollte aber verschiedene parallele Eindrücke haben, der Teilnehmer sollte wählen können, was ihn anspricht. Zudem sollte er die Möglichkeit haben, auf verschiedene Arten aktiv am Ganzen teilzunehmen (falls er will).
Praktisch so: dunkler Raum. Linker Beamer zeigte nonstop den Naturfilm “Deep Blue” (Wasserleben). Rechter Beamer zeigte Menschengesichter von verschiedenen Nationen. Mittlerer Beamer war wie gewohnt für die Liedprojektion – mit Naturbildern im Hintergrund.
Ich durfte den ersten Satz sprechen (quasi die Begrüssung) in der Art: “zu was seid ihr nützlich? ihr nennt euch weise, in all diesen Jahren habe ich jedoch nichts von euch gelernt!”. Solche kontroversen Morgenschocks lassen ein Blogger-Herz höher schlagen
Das war der Anfang einer Geschichte vom Kaiser und einem Kind. Pointe: das Kind brachte den Kaiser dazu, die Welt (oder andere Menschen) nicht von oben herab anzusehen, sondern wieder neu aus den Augen eines Kindes.
Darauf folgte eine Zeit zu Wundern der Natur (zB am Menschen) und der Technik. Staunen über die Länge von irgendwelchen ausgebreiteten menschlichen Innereien und so.
Es folgte eine ausgedehnte Zeit des Mitmachens. Einerseits wurde gesungen, parallel dazu konnten die, die wollten das “Abendmahl-Ritual” ausüben (was nicht sehr rege, eigentlich gar nicht, genutzt wurde
). Zudem hatte man die Möglichkeit, Dinge aufzuschreiben, die einen in’s Staunen über Gott bringen. Um das auszudrücken konnte man dann an eine von 3 Stationen gehen (kleine Tische mit Duftlämpchen und der Bibelstelle von den wie Rauch aufsteigenen Gebeten) und dort in ein Mikrofon diesen Satz lesen. Auf einem PC wurden die Stimmen gesammelt, mit Effekten versetzt und später dann als halbverständliches Stimmengewirr-Potpourri abgespielt (Idee von Kubik, danke!).
Ein kleiner Gedankenanstoss und dann einige praktische Ideen, wie das Staunen über die Natur unseren Alltag verändern könnte rundeten das Ganze ab.
Perfekt war es noch lange nicht, die Feedbacks waren aber zum grössten Teil positiv. Für einige war es sicher etwas ungewohnt – es kamen aber Feedbacks von Leuten, die auf weitere solche Gottesdienste hoffen. Für mich und Judith war es aber (wegen unserem bevorstehenden Umzug) wohl der letzte Morgen, den wir komplett mitgestalten durften.








August 8th, 2006 12:11
Hmm – spannend. Sara und ich sind gerade angefragt worden, ob wir zu zweit auch ab und zu mal einen GD gestalten wollen. Wahrscheinlich sagen wir zu, und wahrscheinlich werden wir auch neue Dinge versuchen…Wobei: so etwas, wie ihr da gemacht habt, wäre bei uns ziemlich undenkbar. Da kämen einige Leute wohl nie wieder in den Gottesdienst…
August 8th, 2006 12:20
Dafür kämen mit der Zeit 10 postmoderne Menschen vielleicht? Ich frage mich/dich: machen wir/macht ihr wirklich GDs für Leute, die nicht mehr kommen, wenn es vom Stil her nicht mehr perfekt passt?
Das Ziel müsste sein, dass die Leute, die regelmässig kommen bereit werden, über ihren Schatten zu springen, wenn eine neue Form – die vielleicht ungewohnt ist – für Menschen von heute relevant sein kann.
Aber ja: von heute auf morgen alles umkrempeln ist auch nicht sehr liebevoll
[deshalb ist es vielleicht gerade gut, dass wir wegzügeln
]
August 8th, 2006 12:59
“Aber ja: von heute auf morgen alles umkrempeln ist auch nicht sehr liebevoll ”
Das ist eben der Punkt. Am WE hatten wir ein interessantes Gespräch mit einem bekannten Ehepaar. Ein Thema war, wie Veränderung in einer Gemeinde überhaupt möglich ist. Das hat Sara und mich noch weiter beschäftigt. Zurzeit kommen wir auf drei Punkte, die wichtig sind.
1. Veränderung muss in Liebe geschehen. Es ist klar, dieses Argument wird allzu oft hervorgeholt, um Änderungen abzublocken. Aus Angst, jemandem auf die Füsse zu treten, wird eine nötige Änderung nicht durchgeführt. Die Forderung ist aber trotzdem richtig: Veränderung darf nicht “militant” sein. Sie muss liebevoll und in Achtung geschehen.
2. Veränderung kann nur von Innen geschehen. Von aussen kann lange jemand sagen: Hey ihr, verändert euch! Werdet endlich eine “XY-Church”. Das bringt nichts. Die Veränderung muss von den Gemeindegliedern selbst kommen.
3. Veränderung geschieht nicht einfach so. Veränderung ist ein Prozess des “Ausprobierens”. Manchmal muss man einfach einmal etwas versuchen, um Erfahrungen zu sammeln.
Soweit…
August 8th, 2006 13:20
Ja, dem stimme ich zu. Wobei ich sehr wichtig finde, dass “liebevoll” richtig definiert wird.
Wenn es als “liebevoll den schon regelmässig kommenden Besuchern gegenüber” definiert ist, dann hat das ganz andere Auswirkungen, als wenn es als “liebevoll den regelmässigen Besuchern und den Nichtbesuchern (die mit der jetztigen Form nichts anfangen können) gegenüber” deklariert ist.
August 8th, 2006 13:22
Die Nichtbesucher haben meistens keine Stimme, wenn es um solche Entscheidungen geht. Find ich nicht gut.
August 8th, 2006 13:40
Dem ist nichts hinzuzufügen…
Damit triffst du sicher einen wunden Punkt. Was wir aber auch nicht vergessen sollten: es gibt verschiedene Gemeinden, die verschiedenes Publikum ansprechen. Und vielleicht muss auch nicht jede eine in Richtung “emergent” (oder so) gehen…?
(NB: Für mich ist die ganze “Emerging Church”-Diskussion ohnehin sehr neu. Bevor ich Blogs von Christen las, war das ein Fremdwort für mich…)
August 8th, 2006 13:52
Ich glaube auch an Andersartigkeit/Vielfalt. Allerdings, wenn man davon ausgeht, dass die Postmoderne um 1970 angefangen hat, dann ist es nicht unbedingt so, dass nur die Jungen so denken, sondern mehr als die Hälfte der Gesellschaft – Tendenz steigend.
Klar, auch die “modernen” sind Menschen, die respektiert werden müssen. Habe keine gute Antwort einfach auf der Hand… vielleicht wäre folgendes Buch was für dich? Mit sehr viel direkt aus der Praxis:
August 8th, 2006 13:54
Übrigens sind unsere GDs normalerweise so:
- 1 Moderator
- 1 Prediger
- 1 Band
- 1 Beamer
Ablauf (Reihenfolge nicht immer gleich):
- Lied/Begrüssung
- Moderation/Infos
- Lobpreiszeit
- Predigt
- Kollekte/Lied
- Café
also “hundskommun”
August 8th, 2006 14:02
Habß momentan zu wenig Zeit, um mich da reinzuknien. Und wichtige Impulse bekomme ich auch durch das Lesen der Blogs. Da sind immer wieder Dinge dabei, die ich mir voll aus dem Herzen sprechen. Zum Beispiel die Forderung, dass GDs wieder vermehrt interaktiv werden sollten. Gottesdienst ist nicht einfach “Kommen, Zuhören, Gehen”.
Doch da komme ich dann bereits ins Grübeln. Denn ist das wirklich “postmodern”? In unserer Gemeinde ist die Diskussion um “Interaktion” schon länger aktuell – auch wenn sich bislang noch nicht viel in der Praxis davon gezeigt hat.
Ich sehe in der “Emerging Church” auch keine “Gefahr”, oder so. Beileibe nicht. Aber ich reagiere manchmal ein wenig allergisch auf “Labels”. Irgendwie müssen wir alles benamsen. “Web 2.0″, oder eben “Emerging Church”…
August 8th, 2006 14:09
Das Benamseln-müssen ist in der Tat wohl eher “modern” als “postmodern”
Wobei ein Buch halt einen Titel braucht… wahrscheinlich werden Bücher bald mehrere Titel haben (oder durch Blogs ersetzt)
August 8th, 2006 14:29
Hoffentlich nicht…
August 8th, 2006 15:07
@sam hoffen wir, dass der Beamer nie schlapp macht, der scheint als einziger unersetzlich
August 8th, 2006 15:18
Es hat 5 oder 6 Beamer im Haus, dass die von Zeit zu Zeit schlapp machen liegt an der Natur der Sache (oder vielleicht an der Natur von Teens
)
August 8th, 2006 22:02
Bravo. Allein der Mut für Neues sollte belohnt werden. Ist doch das Problem fast aller Kirchen, dass ALLES auf der Welt einem ständigen Wandel untersteht. Nur die Kirche, die erlaubt sich, stehen zu bleiben. – Polemisch ausgedrückt, aber ich kann nicht anders.
In was für einen “Tempel” geht ihr eigentlich?
August 8th, 2006 22:49
Mit Polemik sollte ein Blogger wie ich es bald bin kein Problem haben
Ich sehe es auch so. Es ist halt schwierig, wenn Leute (“Gläubige”) sich an irgend ein Detail/eine Nebensächlichkeit klammern und sich einreden: wenn dieses Detail rausgekippt oder verändert wird, verwässere das den Glauben.
Z.B. klammern sich etliche noch an den wissenschaftlich längst überholten Gedanken, dass die Erde erst ein paar Tausend Jahre alt ist, weil sie irgendwann ins Falschdenken rein kamen, die Bibel als Wissenschaftliche Abhandlung anzusehen. Dieser Punkt ist ja völlig unwichtig für den Glauben (schadet höchstens der Glaubwürdigkeit), aber wenn ich in diese Richtung an gezielten Orten Bemerkungen mache, kommen ganz schockierte Reaktionen (was wiederum ein Blogger-Herz höher schlagen lässt
)
Wir gehen noch bis Ende September in die Evangelische Gemeinde Bremgarten, für die ich sehr dankbar bin (für’s Aushalten von einigen “Kontroversitäten” und für’s Trotzdem-Vertrauen-Schenken, zB diesen Gottesdienst machen zu können)
April 29th, 2007 14:41
@sam
“völlig unwichtig”? Ich nehme zu deinen Gunsten an, du hast dich nicht mit der Materie befasst. So als Gedankenanstoss: Wie soll es möglich sein, dass durch einen einzigen Menschen (Adam) die Sünde und damit der Tod in die Welt gekommen ist, wenn “Millionen von Jahren” davor schon Billionen von Lebewesen gestorben sind? Die Fossilien lügen nicht. Sie haben aber auch keine Labels mit Angabe des Jahrgangs drauf.
Und wie sollen deine Sünden durch den Tod eines einzigen Menschens (Jesus) weggenommen werden, wenn die Ursünde nicht auch durch einen einzigen Menschen gekommen ist?
Falls du ein paar Monate investieren kannst, geh mal zu wwww.answersingenesis.org – it will rock your mind. Wir müssen lernen richtig zu denken – und nicht einfältig nachzubeten, was uns die atheistischen Medien vorpredigen.
Ein imaginärer Gott nützt uns realen Menschen nämlich nichts. Es braucht schon einen handfesten, zuverlässigen Gott, der nicht das eine sagt und das andere macht.
Viel Erfolg.
April 30th, 2007 10:10
@Matthias:
1) Doch, ich befasse mich mit der Sache. Nur, weil ich deine Meinung überhaupt nicht teile – muss das denn bedeuten, ich würde mich nicht mit der Sache beschäftigen?
2) Adam spielt für meine Verfehlungen nicht eine sehr grosse Rolle. Es ist zu einfach, einem Adam die eigene Schuld in die Schuhe zu schieben.
3) Ist dein Jesus so klein, dass er nur unter idealen Bedingungen Schuld beseitigen kann?
4) Nein, ich verschenke nicht einige Monate an Leute, die Fakten versuchen, so hinzubiegen, dass sie ihre Ansichten nicht ändern müssen. Sorry. Voraussetzung für Diskussion ist die Bereitschaft auf BEIDEN Seiten, sich korrigieren zu lassen. Ist diese Voraussetzung erfüllt, lerne ich gerne und überdenke ich gerne meine Ansichten. Ich habe schon viele dieser Argumente gehört (und eine Zeit lang leider auch verbreitet) und schliesslich für destruktiv bzw kontraproduktiv befunden.
5) Wer redet von einem imaginären Gott? Nur keine Panik.
6) Wie stehst du zu Vampiren?
Kurz und knapp aus in Punkt 4 beschriebenen Gründen.
July 29th, 2007 14:16
[...] Unser Blogbeitrag zum Gottesdienst in Bremgarten [...]