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Archive for May, 2007

Die scheinbar schäbige Blogszene der Schweiz

Thursday, May 31st, 2007

Wir schweizerischen Blogger betreiben “Rumpelstilzchen-Marketing”. Pascal Witzig hat mit einem eher harmlosen Beitrag eine recht lebendige Diskussion ausgelöst (für CH-Verhältnisse) über langweilige bzw. unorganisierte Blogger. Krusenstern zur Selbstvermarktung von CH-Blogs: “Ach wie gut, dass niemand weiss…”.

SwissBlogPress GhostUnd immer, wenn das Thema Blogvermarktung und Failure aufkommt, kommt bei mit etwas auf, ihr wisst natürlich schon: SwissBlogPress. Anfangs belächelte ich ja die etwas naive Nicht-Elitär-Kampagne mit einer “Flame-Kampagne” – mittlerweile finde ich gehört SwissBlogPress abgeschaltet. Vielleicht weil es den Kritikern der schweizerischen Blogosphäre so Recht gibt: nicht mal auserlesene, elitäre Blogger kriegen in diesem Bereich was wirksames hin. Vielleicht aber auch, weil “das Ding” einigen Aktiveren einfach im Weg steht – man will ja den grossen BlogPressBloggern nicht mit einer Konkurrenz-Aktion auf die Füsse treten(?).

Genug geklönt.

Es gibt durchaus aktive Einzelkämpfer Shootingstars wie Roman, die wunderschön durchorganisierte, zielstrebige und für den Alleingang effiziente Strategien fahren – spannend zu verfolgen. Aber über die Mehrzahlform im letzten Satz bin ich jetzt schon nicht mehr so sicher. Gäbe es jetzt nur schon 5 von denen, die ganz konkret mit einem Ziel zusammenspannen würden – in der Schweiz hat man noch freie Fahrt.

Der erste Schritt wäre: sich selbst verbieten, das Wort “Blog” zu verwenden. Ach wie gut, dass niemand weiss, was “Blog” schon wieder heisst.

Offizielle Ausreissaktion lanciert

Thursday, May 31st, 2007

ambrosia.jpgDie Pflanze Ambrosia breitet sich immer mehr aus. Für Allergiker ist sie eine Bedrohung. Mit einem Ausreiss-Aktionstag haben die Behörden dem
Unkraut den Kampf angesagt.

Heuschnupfengeplagte kennen die Symptome: Die Nase läuft, die Augen schwellen an und der Rachen juckt. Die Pollensaison hat bisher im Frühling mit dem Blühen der Bäume begonnen und im August mit dem Welken des Beifusses ein Ende gefunden. Die Ambrosia könnte diese Leidenszeit um drei Monate verlängern. Das Gewächs blüht bis im Oktober und löst sehr starke Allergien aus.

Anlässlich der Ambrosia-Invasion hat die Organisation Schweizerisches Zentrum für Allergie, Haut und Asthma (aha) heute 31. Mai 2007 zur Pressekonferenz im Universitätsspital Zürich eingeladen. Ziel der Veranstaltung war die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die drohende Gefahr. Christian Bohren vom Bundesamt für Landwirtschaft stellte den Ausreiss-Aktionstag vor. Das systematische Ausreissen der Pflanzen sei zur Zeit die effizienteste und billigste Bekämpfungsart. Die Aktion soll am 25. Juni stattfinden. Zu diesem Zeitpunkt sind die Ambrosio-Keimlinge genug gross um identifiziert zu werden, setzen jedoch noch keine Pollen frei.

(more…)

Zu kurze Blogbeiträge?

Thursday, May 31st, 2007

Ich merke, ich mag Kurz-Beiträge-Blogs und ihre Gegenstücke immer weniger, sie verschwinden aus meinem Feedreader.

Gelungene Werbung für Musikfest

Wednesday, May 30th, 2007

Find ich eine witzige Art, aus nicht beklebbarer Fläche einen Nutzen zu ziehen:

Bus-Werbung Musikfest

ups, vielleicht doch beklebbar:

Doch beklebbar

und sogar anders verwendbar:

Zerteilter Bus

und dann einfach noch herzig:

Kissing Bus Doors

Ein Gutessay

Tuesday, May 29th, 2007

Da ist es wieder, das Wort – Gutmensch. Heute lese ich es im Migrosmagazin. „Bist du ein Gutmesch?“ Fragt der Interviewer den MTV Moderator Markus Kavka. „Was ist ein Gutmensch?“ wäre meine Frage zurück. Ist ein Gutmensch jemand, der gut moderieren, gut kochen und dabei auch noch gut aussehen kann? Vielleicht ist ein Gutmensch ein Mensch, der viel Gutes tut? Oder kommt ein Gutmensch einfach bei allen gut an? – Ich denke nicht. In der Politik, rechts von Gut und Böse, scheinen die Gutmenschen die Versager zu sein. Sie haben die Wahlen verloren, die Schulen nicht im Griff und überhaupt sind sie in ganz Europa im Rückzug. Gutmenschen soll also die Art von Spezies sein, die Gutes tun wollen, jedoch nichts Gutes dabei heraus schaut. Ist das nicht gut? Ist es falsch, wenn man mit einem guten Herz anderen Menschen Gutes tun will, damit wir in einer Besseren Welt leben können? Oder muss es einfach mir gut gehen? Fragen, die wir uns gut zweimal stellen dürfen.

Dieser kurze Essay ist in einer Schreibübung am MAZ entstanden. In der obligatorischen Schule lernt man wenig über gutes Texten, was jedoch die meisten lernen: Gebrauche nicht das gleiche Wort zweimal im gleichen Abschnitt. Eine Schreibübung, die das Gegenteil verlangt, kann sehr anregend sein. Und die Gutmenschen beschäftigen immer noch.

Schluss mit Guantánamo

Monday, May 28th, 2007

guantanamo-aktion.png

Seit fünf Jahren werden auf Guantánamo Menschen ohne Anklageerhebung festgehalten. Einige Gefangene wurden bereits als Minderjährige festgenommen und warten vergebens auf ein Gerichtsverfahren. Guantánamo ist ein US-Marinestützpunkt und liegt auf Kuba. Weil das Gefängnis ausserhalb der USA ist, können die Amerikaner hier andere Haftbedingungen anwenden als im eigenen Land und Menschenrechte bewusst umgehen.

Folter und Misshandlung

Das US-Justizmininsterium hat Folter neu definiert. Darin schreibt sie unter anderem: “…Weiter gebe es eine breite Palette an Massnahmen, die zwar grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung darstellen könnten, jedoch nicht als Folter zu werten seien.”

Folgende Methoden gehören zu diesen Massnahmen:

  • Zwang zu längerem Stehen oder Knien
  • Schlafentzug
  • Beschallung mit lauten Geräuschen
  • Isolierung (u.a. kein Kontakt zur Aussenwelt)
  • Überstülpen von Kapuzen
  • Erzwungene Nacktheit
  • sexuelle Erniedrigung durch weibliche Ermittlerinnen
  • Entzug religiöser Gegenstände

Moralapostel mit Dreck am Stecken
Der Weltpolizist verliert durch solches Benehmen seine Glaubwürdigkeit. Araber hängen Bilder von Abu Ghraib und Guantánamo auf und stellen die Frage “Was wollt ihr uns über Menschenrechte sagen?” Wir Westler können uns freuen über eine Weltmacht, die unsere Werte vertritt. Wenn diese jedoch nicht mehr eingehalten werden, sollten wir uns wehren.

Unterschriften gegen Unrecht
In einer Petition sammelt Amnesty International Unterschriften und fordert die Schliessung von Guantánamo und faire Gerichtsverfahren für die Gefangenen. Am Samstag unterschrieben in Rapperswil innerhalb von drei Stunden über 230 Leute. Die meisten Leute unterstützen die Forderung, nur wenige sind anderer Meinung oder möchten sich nicht einmischen.

Werde aktiv

Volk belügen leicht gemacht

Monday, May 28th, 2007

Scheinbar zieht die Methode, das Volk billig getarnte Lügen aufzutischen noch gut. Ein guter Schweizer denkt nicht viel. Die Schweizer werden von der SVP (oder mindestens hier von Ueli Maurer) für dumm verkauft, seht selbst.

Wenn 16.4% den Balken leicht über seine Kravattenspitze hinaus bringen, dann fordern “über 20%” den (zugegebenermassen eher kleinwüchsigen) Ueli bis an seine Grenzen.

SVP Maurer Statistiklügner

Diese Statistikfälschung kann man hier offiziell live sehen (Link ausnahmsweise mit “nofollow” bestückt, ich kann nicht mit reinem Gewissen Linklove an die SVP vergeben) sie und andere SVP-Täuschungen wurde schon an mehreren Orten verbloggt (hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier) trotzdem verdient es nochmal erwähnt zu werden. Und nochmal. Und nochmal.

Update 2007-05-28 12:58:
Und wenn ich dann sowas sehe (im gleichen Clip!), und dazu die Aussage, dass er mit einer “christlich, abendländischen Gesinnung” politisieren will, dann wirds mir als “Jesus-Fan” einfach nur speiübel:
SVP für Christen nicht wählbar

Muss mir Wohltätigkeit etwas bringen?

Monday, May 28th, 2007

Irgendwie vibrierts gerade in mir.

Habe bei BloggingTom über absolut überteuerte Konzertticketpreise gelesen und gebe ihm dazu in allen Punkten Recht. Allerdings habe ich obengenannte Mühe mit dem meiner Meinung nach sehr westlich-egoistischen Denkweise “alles muss mir etwas bringen”. Ein Teil der Ticketpreise geht in die wohltätige Barbra Streisand Stiftung – Tom’s Aussage dazu “[...] nützt das dem Normalverdiener-Konzertbesucher herzlich wenig”.

Ja, es müsste klar definiert sein, wieviel konkret in die Stiftung geht – sonst ist das “Missbrauch der Stiftung” zur Gewinnmaximierung.
Ja, die Ticketpreise sind überteuert – wahrscheinlich machen die Stiftungsbeiträge fast nichts aus.
Aber nein, Wohltätigkeit muss nicht mir nützen, sondern denen, die es nötig haben.

Es ging Tom darum, dass die Stiftung nicht relevant sein kann für Leute, die sich das Ticket gar nicht leisten können. Trotzdem: dieser Punkt sollte nicht unbedingt als Kritikpunkt gelten. Wenn die holde Dame wirklich einen grösseren Betrag pro Ticket in eine Stiftung fliessen lassen will, so ist das ein Weg, aus ihrer Bekanntheit etwas Gutes für Bedürftige zu machen – es sollte doch gerade den (ehrlich meinenden) Promis gegönnt sein, im reiferen Alter nach einigen Jahren Bühnenbewährung nicht mehr nur entertainen zu wollen, sondern gleichzeitig einige Reiche indirekt zum Spenden zu bringen. Auch wenn dann halt nicht mehr jeder an das Konzert kann.

Ich kann nicht beurteilen, ob in diesem Fall alles richtig läuft und ob Barbra Streisand zu den “ehrlich meinenden” Promis zu zählen ist. Es geht mir aber ums Prinzip – wie man schön sagt.

Bin ich zu empfindlich, zu pingelig? Nein, ich glaube die “Was-nützt-es-MIR?”-Frage wird viel zu oft als die zentrale Entscheidungsgrundlage benutzt. Es muss da ein Umdenken stattfinden (der “sonst”-Nebensatz lasse ich mal weg) und dazu (u.a.) wären wir alle da.

Nicht böse gemeint, gäll.

2 Perspektiven einer Kopfnuss

Sunday, May 27th, 2007

Ein Schlüsselerlebnis vor einigen Tagen brachte mich ins Nachdenken über die verschiedenen Perspektiven einer Nuss:

Eusi Fänschter glänzed vo Suuberkeit, wie de Porsche vo de Paris Hilton. Bin i de Stube gstande, am beobachte, wie en Bauschutt-Container – gmüetlich wie en Seeleu, wo sich is Wasser falle laht – vom Laschtwage abegrutscht isch uf de Platz vor eusem Huus. Plötzlich kracht en Tuube 1m vor mir is Fänschter. Si läbt no und flüügt mit em Kolleg widr wiiter. Was dänkt si ächt?

Oder eben die andere Perspektive:

Bin mit eme Kolleg am beobachte xi, wie en Bauschutt-Container müesam abeme Laschtwage klätteret isch. Chuum simmer drüber gfloge knallt’s mer plötzlich eis a d’Birre. Zwar flüüged mer wiiter, aber mis Läbe isch nüm gliich. D’Freud isch so wiit weg, wie de “Times Square” vom Rapperswiler Fischmarktplatz. Jedi Minute dänki dra: jetzt chönnts mer eis uf de Deckel zwacke. Usem heitere Himmel.

Mittel gegen das Sterben

Thursday, May 24th, 2007

Jesus erstes Wunder war die Verwandlung von Wasser in Wein. Gemäss Tagi soll der Wein nun sogar zu Unsterblichkeit führen können. Der Artikel zum Thema wurde auf der ersten Seite des Wirtschaftsbunds mit folgenden Worten angekündigt:

Wer Wein in der richtigen Menge trinkt, hat ein geringeres Sterberisiko.

Mal schauen, ob ich das richtige Mass treffe…