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Ein Gutessay

Tue 29. May 2007 - Judith - kommentieren

Da ist es wieder, das Wort – Gutmensch. Heute lese ich es im Migrosmagazin. „Bist du ein Gutmesch?“ Fragt der Interviewer den MTV Moderator Markus Kavka. „Was ist ein Gutmensch?“ wäre meine Frage zurück. Ist ein Gutmensch jemand, der gut moderieren, gut kochen und dabei auch noch gut aussehen kann? Vielleicht ist ein Gutmensch ein Mensch, der viel Gutes tut? Oder kommt ein Gutmensch einfach bei allen gut an? – Ich denke nicht. In der Politik, rechts von Gut und Böse, scheinen die Gutmenschen die Versager zu sein. Sie haben die Wahlen verloren, die Schulen nicht im Griff und überhaupt sind sie in ganz Europa im Rückzug. Gutmenschen soll also die Art von Spezies sein, die Gutes tun wollen, jedoch nichts Gutes dabei heraus schaut. Ist das nicht gut? Ist es falsch, wenn man mit einem guten Herz anderen Menschen Gutes tun will, damit wir in einer Besseren Welt leben können? Oder muss es einfach mir gut gehen? Fragen, die wir uns gut zweimal stellen dürfen.

Dieser kurze Essay ist in einer Schreibübung am MAZ entstanden. In der obligatorischen Schule lernt man wenig über gutes Texten, was jedoch die meisten lernen: Gebrauche nicht das gleiche Wort zweimal im gleichen Abschnitt. Eine Schreibübung, die das Gegenteil verlangt, kann sehr anregend sein. Und die Gutmenschen beschäftigen immer noch.

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3 Responses to “Ein Gutessay”

  1. User Gravatar
    Thinkabout
    July 11th, 2007 14:58
    1

    Ach herrje, wie spricht mir das aus der Seele…
    Und nicht erst seit gestern, wie man hier
    http://thinkabout.ch/article/yoda-befragt-mich
    lesen kann – aber eben nicht nur das, darum zitiere ich hier daraus:

    Meine Bloggerei ist schon häufiger das Werk eines Gutmenschen genannt worden. Das ist ein Ausdruck, den ich hasse und dessen Gebrauch mich traurig macht. Denn so wie er in unserer Gesellschaft verwendet wird, demaskiert er unser soziales Zusammenleben in dessen ganzer Armut.

    Es ist nicht falsch, das Gute für die Menschen zu wollen, und schon gar nicht lächerlich.

    Aber nein, ich will nicht die Welt verbessern. Ich möchte mich bessern. Ich möchte erfolgreich sein in meinem Menschsein. Ich möchte mich wohl fühlen in meiner Haut und in meinen Gedanken. Ich möchte mit wachem und positivem Geist in mich hinein hören und mich von mir und meinen Mitmenschen überraschen lassen.

    Und ich möchte lernen, wie die Tiere dem Leben recht zu geben. Es ist für mich ein Phänomen, dass es der Esel sehr viel leichter hat, ein Esel zu sein, während ich das Gefühl nicht los werde, dass ich erst wieder lernen muss, ein Mensch zu werden. Wenn es mir gelingt, in dieser Art zu leben, dann gewinne ich Zufriedenheit. Und die mag dann auch gegen aussen wirken.

  2. User Gravatar
    Judith
    July 11th, 2007 22:37
    2

    Ich habe etwas früher bereits noch einen anderen Beitrag zu “Gutmenschen geschrieben. Was ich dort heraus gefunden habe, hat mich echt Traurig gemacht. Deshalb habe ich vor kurzem sogar einen Leserbrief an die Weltwoche geschrieben, um den Jargon dieser Wochenblattschreiber zu hinterfragen.

  3. User Gravatar
    Thinkabout
    July 11th, 2007 23:10
    3

    Es gibt verschiedene Möglichkeiten, auf ein Beispiel einer Haltung zu reagieren, die vielleicht Eigenes in Frage stellt: Das Erbärmlichste ist dabei wohl die Applaus erhaschen wollende Häme in satyrischer Form. Eigentlich liegt darin bereits ein Beweis des gesetzten Stachels, denn die besagten Gutmenschen können sich meist nur wundern, für was sie alles herhalten müssen (oder gar dürfen?).

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