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Kirche als Dorfkino

Sun 16. Sep 2007 - Judith - kommentieren

Am Mittwoch nahm ich in einem Beitrag die Frage des Tagis auf, ob es immer mehr Christen geben kann, wenn immer weniger Leute in die Kirche gehen? Die Tagiwerbung zeigt, wie es passieren könnte:

tagi2.png

Dieser Weg ist wohl eher unwahrscheinlich. Ich kann mir aber durchwegs vorstellen, dass es trotz weniger Kirchgänger mehr Christen geben könnte. Und zwar wenn ein Christ nicht mehr durch den wöchentlichen Kirchgang definiert wird, sondern durch seinen Lebensstil.

Ich bin auf einen Text von Hape Kerkeling gestossen. Er ist aus seinem Buch “Ich bin dann mal weg”, das er nach seiner Pilgerzeit auf der Jakobsweg geschrieben hat. Vielleicht lohnt es sich doch, in die Kirche zu investieren:

Vorführung eines Meisterwerks

Während ich bei weit geöffnetem Fenster im Bett liege, frage ich mich, was Gott eigentlich für mich ist. Viele meiner Freunde haben sich schon lange von der Kirche abgewendet. Sie wirkt auf sie unglaubwürdig, veraltet, vergilbt, festgefahren, unbeweglich, geradezu unmenschlich und somit haben sich die meisten auch von Gott abgewendet. Wenn sein Bodenpersonal so drauf ist, wie muss er selbst dann erst sein…wenn es ihn überhaupt gibt! Geh mir weg mit Gott, sagen leider die meisten. Ich sehe das anders. Egal ob Gott eine Person, eine Wesenheit, ein Prinzip, eine Idee, ein Licht, ein Plan oder was auch immer ist, ich glaube, es gibt ihn!
Gott ist für mich so eine Art hervorragender Film wie “Ghandi”, mehrfach preisgekrönt und grossartig!
Und die Amtskirche ist lediglich das Dorfkino, in dem das Meisterwerk gezeigt wird. Die Projektionsfläche für Gott. Die Leinwand hängt leider schief, ist verknittert, vergilbt und hat Löcher. Die Lautsprecher knistern, manchmal fallen sie ganz aus. Man sitzt auf unbequemen, quitschenden Holzsitzen und es wurde nicht mal sauber gemacht. Da sitzt einer vor einem und nimmt einem die Sicht, hier und da wird gequatscht, und man bekommt ganze Handlungsstränge gar nicht mit.
Kein Veregnügen wahrscheinlich, sich einen Kassenknüller unter solchen Umständen ansehen zu müssen. Viele werden rausgehen und sagen: “Ein schlechter Film.” Wer aber genau hinsieht, erahnt, dass es sich um ein einzigartiges Meisterwerk handelt. Die Vorführung ist mies, doch ändert sich nichts an der Grösse des Films. Leinwand und Lautsprecher geben nur das wieder, wozu sie in der Lage sind. Das ist menschlich.
Gott ist der Film und die Kirche ist das Kino, in dem der Film läuft. Ich hoffe, wir können uns denn Film irgendwann in bester 3-D- und Stereo-Qualität unverfälscht und mal in voller Länge angucken. Und vielleicht spielen wir dann ja sogar mit!

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4 Responses to “Kirche als Dorfkino”

  1. User Gravatar
    Eda
    September 17th, 2007 12:32
    1

    Hier wird lediglich mit Metaphern jongliert und ein bisschen auf Platon referiert. Daraus folgt jedoch noch lange nicht die Gültigkeit eines Arguments.

    Gruss, Eda

  2. User Gravatar
    Sam
    September 17th, 2007 15:20
    2

    Es geht hier vielleicht weniger um Argumente oder Beweise.

  3. User Gravatar
    Judith
    September 17th, 2007 22:47
    3

    sondern um einen philosophisch-poetischen Text.

  4. User Gravatar
    Eda
    September 18th, 2007 07:32
    4

    Hallo Judith & Sam

    Poetisch kann ich gelten lassen :-) Philosophisch hingegen nicht. Denn eben gerade in dieser Ecke befindet sich ja die Logik mit ihren Argumenten.

    Glaubt ihr wirklich, dass man einen guten Film nur wegen Holzbänken und miesem Sound für einen schlechten hält?
    Genauso wenig wie es keinen Geist ohne Körper gibt, lässt sich Religion von der Kirche trennen. Jede Idee wird irgendwie gelebt. Natürlich tun es manche etwas anders, doch was zählt ist das Gesetz der grossen Zahl. Was die Masse tut, ist längst nicht so willkürlich, wie man gerne meint. Denn genau wie bei der Physik ist die Gravitation im Kleinen zwar geradezu vernachlässigbar im Vergleich zum Elektromagnetismus, doch in grösseren Dimensionen hebt sich letztere gegeneinander auf und was bleibt ist die Gravitation.
    Aus der Religion lässt sich positives wie negatives ziehen, doch was am Ende bleibt, ist menschenverachtend.

    Wie bereits andernorts erwähnt, all die angeblich christlichen Werte, welche wir so hoch schätzen, und zu denen wir heute auch die Menschenrechte zählen, wurden stets am heftigsten von gläubigen Menschen an der Einführung gehindert und zwar hübsch mit Bibelzitaten verziert. Denn wenn die Wahrheit ja in der Bibel steht, weshalb sollten dann die Werte verändert werden?

    Steht, da nicht geschrieben, du sollst dir keine anderen Götter machen? Das heisst, du sollst lernen mit dem zu leben der da ist und kannst ihn nicht einfach deinen Bedürfnissen anpassen.

    Gruss, Eda

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