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Die kleine Bewegung wird zur erfolgreichen Religion

Mon 24. Mar 2008 - Judith - kommentieren

Fortsetzung von Am Kreuz beginnt eine neue Weltordnung und Bewegung der Versöhnung.

Jesus starb am Kreuz, seine Anhänger versteckten sich und die Mutter stand weinend am Kreuz. Drei Tage später behauptete diese kleine Gruppe, Jesus sei auferstanden – das Grab leer. Und nun sahen diese wenigen Anhänger ihren Auftrag darin, die neue Weltordnung Gottes anderen Menschen weiter zu erzählen. Immer mehr Menschen schlossen sich diesem neuen Glauben an. Knapp 400 Jahre später wurde dieser Glaube Staatsreligion des römischen Reiches. Heute ist das Christentum mit 2,1 Milliarden Anhänger die grösste Religion der Welt, vor dem Islam mit 1,3 Milliarden Anhängern (Quelle Wikipedia). Das Christentum wächst weiter. Innerhalb der letzten 50 Jahren wurde Südkorea mehrheitlich christlich. Auch auf dem afrikanischen Kontinent treten immer mehr Menschen zum Christentum über.

Nächstenliebe…
Die aktuelle Weltwoche widmet sich diesem Thema. Matthias Drobinski, Redaktor der Süddeutschen Zeitung, führt dort den Erfolg des Christentums auf zwei Komponenten zurück: Die Nächstenliebe und die rohe Gewalt.

In den ersten vierhundert Jahren nach dem Tod und der Auferstehung von Jesus zeichnete sich das Leben der Christen durch die Nächstenliebe aus. Matthias Drobinski schreibt:

Kein Glaube ist den Armen, Unterdrückten, Leidenden so nahe wie der an den Gott, der den Kreuzestod gestorben ist; in keinem Glauben liegt der Gedanke so nahe, dass die Menschenrechte für alle gelten, wie im Christentum…

Der Götterglaube der Römer sah damals ganz anders aus. In der antiken Religion galten vor allem Erfolg, Ansehen und Macht. Die einfachen Menschen waren wenig bis nichts wert. Das Christentum brachte völlig neue Werte.

Matthias Drobinski:
Ein Christ ist dagegen auch von Gott geliebt, wenn er alt ist, hässlich und arm. Ein Sklave, ein Kind, eine Frau. Die christlichen Gemeinden pflegen ihre Kranken. Sie versorgen ihre Witwen und Waisen. Und sie behandeln ihre Frauen menschlich.

Manche römische Kaiser hielten sich selber für Gott und nahmen alle Macht für sich in Anspruch. Sie forderten vom Volk die gebührende Anbetung. Christen weigerten sich jedoch den Kaiser anzubeten, da sie Gott im Himmel als einzigen Gott ehren wollten. Diese Verweigerung führte zu einer brutalen Christenverfolgung. In dieser Verfolgung standen die Gläubigen wieder ohne Gewalt einem mit Speeren und Äxten bewaffneten Heer gegenüber und starben den Märtyrertod. Das faszinierte die Heiden zusätzlich: Diese Menschen waren bereit für ihren Glauben zu sterben.

…und Gewalt
Kaiser Konstantin beendete die Christenverfolgung. Vor einer Schlacht träumte er von einem Kreuz und hört dazu eine Stimme „In diesem Zeichen wirst du siegen“. Der Kaiser gewinnt die Schlacht und sieht nun den “Christengott” als seinen Schlachthelfer. Als Dank rief er Religionsfreiheit für die Christen aus und behandelt diese von nun an sehr privilegiert. Schliesslich wurde das Christentum sogar zur Staatsreligion erklärt und verbündete sich auf diesem Wege mit dem römischen Reich:

Matthias Drobninski:
Und so lernten die Jünger des Pazifisten Jesus, sich am Hof des Kaisers zu bewegen. Sie lernten Kaiser zu lenken und Fürsten mit Kirchenstrafen zu belegen, Kriege religiös zu begründen und Kriege zu führen. Der moralische Preis der Macht ist hoch: Sie bringt das Christentum mit der Gewalt zusammen… Die Anhänger des Gekreuzigten werden selber zum Henker.

Zweigleisig
Das Christentum verbreitete sich damals und heute über zwei Schienen, über die Nächsten- und Feindesliebe und so gegensätzlich es auch ist, indem sich Christen mit den Mächtigen dieser Welt verbünden und Kriege gegen Feinde führen. Doch ist das wirklich ein Kampf für Gottes Reich?

Ich denke, das Reich Gottes ist nicht zu erkämpfen, es ist zu „erlieben“. Ich erinnere nochmals an das Zitat von Brian Mc Laren aus dem letzten Beitrag:

Diese neue Welt ist eine Gegenmacht, eine Gegenbewegung, ein Gegenreich, das alle korrupten menschlichen Regimes angreifen, entlarven, beim Namen nennen und als das hinstellen wird, was sie wirklich sind. Anders als die alten Reiche der Menschen drängt sich die neue Welt aber nicht auf, wo sie nicht erwünscht ist. Obwohl sie eine ganz reale Macht ist, kommt sie doch auf unscheinbare, behutsame Weise – eben mysteriös.

Die Macht des Herzens
Das Reich Gottes, seine neue Welt wächst im Unsichtbaren, still und leise, wie es die Christen am Anfang gelebt haben. Und trotzdem hat der Glaube politische Dimensionen und kann auf diesem Weg die Welt verändern. Zum Schluss deshalb nochmals ein Zitat aus der Weltwoche von Matthias Drobinski:

Das Christentum ist die wichtigste Autorität, die den Globarisierungsprozessen eine globale Ethik zur Seit stellen kann. Es kann das wichtigste Werkzeug des Friedens in einer Zeit sein, in der Konflikte zunehmend Religionskonflikte sind. Wenn es auf die Macht der Nächsten- und Feindesliebe setzt, die Kraft dieses unerhörten Gedankens, der das Römische Reich erschütterte.

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7 Responses to “Die kleine Bewegung wird zur erfolgreichen Religion”

  1. User Gravatar
    Steini’s Garden » Blog Archive » Bewegung der Versöhnung
    March 24th, 2008 15:57
    1

    [...] der letzte Teil dieser Triologie: Wie konnte sich diese Bewegung über die ganze Welt ausdehnen? Tipp: Du kannst neue Blog-Einträge auch ganz bequem per E-Mail oder RSS erhalten. Das is’ doch [...]

  2. User Gravatar
    Steini’s Garden » Blog Archive » Am Kreuz beginnt eine neue Weltordung
    March 24th, 2008 16:02
    2

    [...] Die kleine Bewegung wird zur erfolgreichen Religion [...]

  3. User Gravatar
    mkellenberger[blog] » Ostern und wie man sie erlebt! » geniesse, ostern
    March 24th, 2008 16:17
    3

    [...] Steinis gehts um die religiöse Sicht der Ostern und deren Auswirkung auf die heutige Zeit, Yoda [...]

  4. User Gravatar
    Ostern
    March 24th, 2008 18:33
    4

    [...] Anderen, der den Grund kennt, warum wir Ostern feiern. Einen lesenswerten Artikel dazu gibt es bei Steinis Garden. Dort wird auch auf den Unterschied zwischen Christen und Kirche eingegangen. Ich formuliere das [...]

  5. User Gravatar
    Tom
    March 25th, 2008 12:51
    5

    Das Reich Gottes zu “erlieben”….. man könnte es nicht besser ausdrücken ;-)

  6. User Gravatar
    Charisma
    March 26th, 2008 07:33
    6

    Ausgezeichnet recherchiert! Deshalb habe ich euren Blog bei mir als ‘Querverweis’ (über Siegfried) verlinkt …

  7. User Gravatar
    Tabea
    March 26th, 2008 14:46
    7

    Ein spannender, gut geschriebener Text, der zum Nachdenken anregt und Hoffnung macht!

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