Die Essenz der Gemeinschaft

Gastbeitrag von Roman Hanhart.
Gemeinschaften ziehen mich an, faszinieren mich und ich bewege mich gerne in ihnen. Es ist mir oft ein Anliegen, der Gemeinschaft einen Dienst zu erweisen, denn so verfestigt sich die Vernetzung, die Verbindung bekommt nebst der ideellen Eigenschaft auch noch eine praktische Komponente. Natürlich fallen nicht alle Gemeinschaften unter die Kategorie, sondern jene, welche inhaltlich und von der Philosophie her zu mir passen.
Eine solche lose Verbindung oder Gemeinschaft sehe ich in den Barcamps. Viele der Menschen, die regelmässig jene Veranstaltungen besuchen, kenne ich mittlerweile. Aber es kommen auch immer wieder neue Gesichter hinzu und somit die Chance, andere Menschen, andere Ansichten, Schwerpunkte und Meinungen kennen zu lernen. Es haben sich handfeste Freundschaften daraus gebildet, die wir auch ausserhalb der Barcamps weiter pflegen.
Aber welches sind die Gründe, die die Faszination an solchen Veranstaltungen so stark leben lassen? Eine einfache Frage; aber wohl eine schwierige Antwort. Im Grunde ist es die Freude an einer Gemeinsamkeit. In diesem Fall eher eine ideelle, die durch das Interesse an der Technik gesäumt wird. Es sind die Menschen, die gerne teilen, bekommen, weiterreichen. Ohne zu fragen, was mit dem Gut passiert. Sie geben es einfach her. Auf der andern Seite bekommen sie vielleicht ein Gegenstück dazu. Es geht um das Wissen, um das Anwenden, das an BarCamps auf einer sozialen Schiene ausgetauscht wird. Es sind die Gespräche zwischen den Sessions, der Austausch an Erfahrungen. Aber auch beim Essen und beim Rauchen (!) entstehen manchmal tiefsinnige Gespräche. Die Barcampler fasziniert etwas, das sie alle verbindet: Die Freiheit zu geben und zu nehmen.
Unterstützt wird das „wohlige und kuschelweiche“ Gefühl an einem BarCamp wohl noch durch den Umstand, dass wir uns nicht im Alltag befinden und Situationen weit entfernt sind, bei denen wir uns gegenseitig nerven würden. Es ist also eine besondere Situation, die Aufmerksamkeit ist auf das Wesentliche fokussiert. Es sind Momente, die mich vergessen lassen, welcher Tag heute ist, wie spät es ist oder wo ich wohne. Das ist ein Zeichen, dass ich mich ganz dort befinde.
Wenn dann das BarCamp zu Ende geht, fahre ich meist mit etwas Wehmut nach Hause. Zurück in den Alltag, dort wo ich mich wieder um Dinge kümmern darf, die vielleicht etwas unangenehm sind. Zurück lasse ich eine Gemeinschaft, in der ich mich aufgehoben gefühlt habe; als Teil des Ganzen und als Beschenkten. Und wenn ich es genau überlege, so lasse ich die Gemeinschaft nicht zurück. Denn dort ist sie nicht mehr. Sie ist dort, wo sie wahrgenommen und geschätzt werden kann.
Judith und Sam sind für mich beides Menschen, die gelernt haben, selbst eine Gemeinschaft zu sein, darin zu wirken, durch und mit einer Gemeinschaft ein Manifest zu erschaffen. Es ist eine Tugend, in einer Verbindung zu wirken; eine Eigenschaft, die heute wohl immer mehr in Vergessenheit gerät. Vielleicht erinnern wir uns einst wieder daran, dass wir sehr viele Verrichtungen, Entscheidungen und schwere Zeiten besser bewältigen können, wenn wir uns zusammentun. Das Individuum geht nicht unter, im Gegenteil: Es kommt in einer tragenden Gemeinschaft voll zur Geltung.







May 2nd, 2008 20:53
Guter Beitrag. so sehe ich das auch bei einem realen treffen kann man sich auf einer anderen ebene bewegen und sich austauschen nicht nur technisch sondern auch menschlich..und das findet ja heute nicht mehr so oft statt, den roman kenne ich noch aus der zeit vom internetclub zürich..habe ihn jahre nicht mehr gesehen und durch die bloggerei wo ich vor etwas mehr als einem jahr angefangen habe ist er mir im netz wieder aufgefallen und ich habe gedacht es gibt ihn noch den roman!!
May 4th, 2008 01:19
Roman at he’s best.
Meine ich zumindest.
Diese Bereitschaft, sein Wissen zu teilen, es gleichsam zu verschenken, Tutorials über Software gratis ins Netz zu stellen, objektive Testberichte zu Neuheiten darzubringen - das alles ist mir immer wieder eine ganz markante Eigenschaft, die ich höchst dankbar und durchaus auch berührt zur Kenntnis nehme (um das Wort beschämt zu umgehen…). Und es sind oft junge Leute, die so ohne Kalkül handeln und einfach darauf vertrauen, auch etwas zurück zu bekommen. Sie leben damit eine Weisheit vor, die sich in der Begegnung aus Fleisch und Blut sehr viel unmittelbarer ergibt: Ich gebe und nehme in jedem Gespräch. Und ich will ja, dass es Substanz hat, also bin ich aufmerksam dabei.
Barcamps kenne ich nicht - ich habe mir immer gesagt, dass ich dafür zuwenig Technikfreak bin, und damit zuwenig geben und nehmen kann. Aber vielleicht ist das falsch. Vielleicht wäre es fruchtbar, einem Techniker zu sagen: DAS und DAS ist für mich in meinem Bloggen wichtig, aber ich suche noch den Menschen, der das technisch zum Blühen bringen kann, der mir das Kleid dafür schneidert. Für mein Hauptblog habe ich es gefunden. Für ein anderes Projekt brauche ich genau Menschen wie Roman - und verflixt nochmal, ich will, dass sich diese Menschen im Ergebnis wieder erkennen können und finden: Es hat sich gelohnt. Auch für sie.
May 5th, 2008 17:21
[...] aber auch speziell bei Sam und Judith. Für die beiden Menschen konnte ich einen Beitrag zum Thema Gemeinschaft schreiben. Ich meine, dass Judith und Sam beides Zeitgenossen sind, die viel für [...]
May 13th, 2008 12:17
[...] Bei Sam und Judith konnte ich auch schreiben, was mich sehr gefreut hat. Dort wählte ich das Thema Gemeinschaft, da bei meiner Meinung nach sehr Vieles für Gemeinschaften tun. [...]