Vor kurzem bin auf das Buch “Lieber wütend als traurig - Die Lebensgeschichte der Ulrike Marie Meinhof” gestossen. Auf dem Buchdeckel steht: “Ulrike Marie Meinhof” war renommierte Journalistin und Mitbegründerin der Rote Armee Fraktion - eine christliche Pazifistin, die schliesslich die Welt mit Gewalt verändern will.”
Ulrike erlebte als Kind den zweiten Weltkrieg, ein Leben lang würde sie sich danach gegen faschistische Strukturen in der Gesellschaft wehren. Bereits ihr Vater war gegen den Krieg. Er gehörte einer kleinen Kirche mit dem Namen “Hessische Renitenz” an, die sich strikte gegen jedes Einmischen des Staates wehrte. Eine Haltung die unter Hitler nicht ungefährlich war. Ulrike verlor ihren Vater als Kind, aber nicht im Krieg, er starb an einer Krankheit.
Christliche Pazifistin
Die christlichen Wurzeln im Leben von Ulrike zeigten sich in ihrem Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit. Als Journalistin deckte sie gesellschaftliche Missstände auf: Sie publizierte Berichte über lieblose Kinderheime, in welchen Kinder ohne Liebe und Anerkennung aufwuchsen und prangerte in ihren Kolumnen politische Entscheidungen an, die in ihren Augen an das Naziregime erinnerten.
Kommunistin
Da Ulrikes politische Stimme immer mehr Einfluss bekam, interessierten sich auch die Linkskommunisten für sie. Der Chefredaktor einer kommunistischen Zeitung, Klaus Rainer Röhl, wurde später ihr Mann: In seinem Buch “Fünf Finger sind keine Faust” erinnert er sich an seine erste Begegnung mit der Journalistin: “Ich schilderte ihr den Sozialismus als einzige Möglichkeit, alles zu verwirklichen, was die wirklichen Christen wirklich gewollt hatten… Vor allem der gewaltige Traum - Gerechtigkeit, er würde nur durch den Kommunismus verwirklicht werden. Und die Verständigung und die Güte, das Gegenteil von Hass.”
Terroristin
Der Autor des Buches, Alois Prinz, beschreibt, wie Ulrike Meinhof von einer christlichen Pazifistin eine Kommunistin und schliesslich eine Terroristin wird. Eine Terroristin, die sich bei der Fatah zur Guerillakämpferin ausbilden liess und bereit war, auf Polizisten zu schiessen. Im Vordergrund steht die Frage: Was muss geschehen, dass Engagement für Frieden und Gerechtigkeit umschlägt in Gewalt und Feindseligkeit?
Faszination und Abneigung
Das Buch beantwortet die Frage nicht abschliessend. Aber der Autor nimmt den Leser und die Leserin mit in den Werdegang der Ulrike Marie Meinhof. Eine Frau, die am Anfang das Leserherz für sich gewinnt, die im Laufe der Geschichte jedoch immer mehr entfremdet und unfassbarer wird.