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Bibel bearbeiten mit Wiki-Software

Sat 5. Jul 2008 - Sam - kommentieren

Ein interessantes Projekt: die Volxbibel NT 3.0 ist wohl die erste Bibel, die im Internet “entstanden” ist und an der alle mitschreiben konnten. Jetzt steht die Version 3.0 vor dem Abschluss und wird bald in den Druck gesandt. 7000 brauchbare Änderungen wurden durch die Teilnehmer gemacht – der Projektleiter Martin Dreyer findet das obergeil – und das ist es auch. An die Adresse der Hüterchristen mit den Steinen in den Händen: jaja, das Ganze wird natürlich noch lektoriert und jaja, wahrscheinlich werdet ihr danach trotzdem Steine werfen. Jänu. Daran hat man sich langsam gewöhnt.

Dazu passt folgende Geschichte aus der Volxbibel:

Plötzlich brachten die Theologen und die Pharisäer eine Frau an, die auf frischer Tat ertappt worden war. Sie hatte mit einem Mann Sex gehabt, obwohl sie bereits mit einem andern verheiratet war. Sie stießen die Frau in die Mitte, damit alle sie sehen konnten. Dann sagten sie zu Jesus: „Herr Lehrer, diese Frau ist gerade beim Ehebruch erwischt worden. Nach den alten Gesetzen vom Mose müsste sie jetzt von mehreren so lange mit Steinen beworfen werden, bis sie tot ist! Was sagen Sie zu diesem eindeutigen Fall?“ Das war natürlich nur ein Trick. Sie hofften, sie könnten Jesus damit in eine Zwickmühle bringen, sodass er irgendwas Verpeiltes sagen würde, was sie dann später gegen ihn verwenden könnten. Jesus blieb aber total cool, er setzte sich auf den Boden und schrieb irgendwas mit seinen Fingern in den Sand.

Als die Typen aber weiter rumnervten, sah er nach oben und sagte: „Okay, dann soll mal der den ersten Stein werfen, der noch nie in seinem Leben Mist gebaut hat!“ Dann bückte er sich wieder und malte irgendwelche Sachen in den Sand. Als Erstes verschwanden die Leute, die Anklage erhoben hatten. Und dann folgte ihnen einer nach dem anderen, bis Jesus zum Schluss mit der Frau alleine war.

Jesus stand auf und fragte sie: „Na, wo sind denn jetzt die Leute, die ’ne Anzeige erstatten wollten? Hat etwa keiner von denen das Urteil auch vollstreckt?“ „Nein, keiner, mein Herr“, antwortete sie. „Dann werde ich das auch nicht tun. Geh jetzt mal nach Hause und pass auf, dass du nicht noch einmal so einen Fehler machst!“

Volxbibel 3.0

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21 Responses to “Bibel bearbeiten mit Wiki-Software”

  1. User Gravatar
    kopfchaos
    July 5th, 2008 17:06
    1

    ….. hab’ selbst eine volxbibel aus der auflage 2.0 in meinem täglichen handgepäck…..
    ….. obschon ich ned der grösste fan der volxbibel bin, mir gefallen doch eher die “traditionelleren” bibeln…..
    ….. doch zum verleichslesen mit anderen bibeln, zum beispiel einer luther-bibel oder auch der zwingli-bibel, is’ die volxbibel echt geeignet…..
    ….. auch um jüngere an die bibel heran zu führen scheint mir die volxbibel ein gutes mittel zu sein, weil sie doch in einer modernen, manchmal schon recht slanghaften sprache daher kommt…..

  2. User Gravatar
    Tanisha
    July 9th, 2008 12:14
    2

    Ich finde die Übersetzung viel zu frei. Da bleibt ja nichts mehr vom Urtext übrig!

  3. User Gravatar
    Eda
    July 11th, 2008 14:48
    3

    Aber wie kann ich dann die Bibel noch als das wörtliches Wort Gottes nehmen?

  4. User Gravatar
    Claudio
    July 14th, 2008 15:24
    4

    Eine «kommunistische» Bibel – ein lustiges Experiment. Aber ob das eine lesbare Bibel ist?
    Schön auch die Bemerkungen, die Tanisha und Eda hier angebracht haben. Eine Frage bzw. eigentlich gerade mehrere Fragen auf einmal, die mich sehr interessieren: Gibt es so etwas wie eine «heilige» Sprache? Dabei natürlich auch die kulturgeschichtlichen Ausmasse der Fragestellung der heiligen Sprache: Wie sahen das Leute in der Antike, im Mittelalter, schreibt dies heute jemand vor? Welche Rolle spielt die Reformation für die Vorstellung von heiligen Sprachen, wenn sie die biblischen Texte in die Volkssprache übersetzt Was ist am «Ur»-text wirklich Urtext? Und: wer ist legitimiert, Übersetzungen dieses Textes herzustellen?

    Aber nach dem langen Fragestellen wieder zum Thema zurück: Die Neue Zürcher Bibel scheint mir eine ziemlich gute Übersetzung zu sein, die auch die neuere bibelwissenschaftliche Forschung miteinbezieht und im NT relativ nahe am Griechischen Text bleibt, aber doch nur so nahe, dass es auch ein gut lesbares Deutsch ist.

  5. User Gravatar
    Sam
    July 14th, 2008 16:50
    5

    Wie neu ist die Neue Zürcher Bibel? Habe gehört, die Neue Genfer Übersetzung wäre recht nahe am ursprünglichen (aber trotzdem lesbar). Soweit ich weiss, ist da aber bisher nur ein Teil veröffentlicht worden.

  6. User Gravatar
    Sam
    July 14th, 2008 16:52
    6

    Beim Koran gibt es wohl eine deutlichere Ausprägung der Thematik “heilige Sprache” – der Koran in arabisch ist das Ultimative – alles andere nur zweitrangig.

    Vielleicht gar keine so schlechte Idee.

  7. User Gravatar
    Sam
    July 14th, 2008 16:53
    7

    @Eda: die Bibel ist (meiner Meinung nach) menschlicher als es viele denken.

  8. User Gravatar
    Claudio
    July 14th, 2008 17:26
    8

    Zur neuen Zürcher Bibel: die ist eigentlich ganz neu: 2007 wurde sie fertig übersetzt, gedruckt und jetzt ist sie schon ziemlich viel benutzt.

    Zur Genfer Übersetzung kann ich leider nichts sagen, die kenne ich nicht.

    Über die heilige Sprache im Koran habe ich erst vor kurzem im Zug mit einer Studentin der Islamwissenschaften gesprochen: Ein grosser Teil der Glaubenden versteht – rein schon von der Sprache her – nicht, was sie glauben.

    Ob das eine gute Idee sein soll? – Das wage ich sehr zu bezweifeln!

  9. User Gravatar
    Sam
    July 14th, 2008 18:14
    9

    Also Übersetzungen gibt es ja auch vom Koran – habe eine auf deutsch.

    So kann man im Prinzip auch sagen, dass der Grossteil der Christen nicht verstehen, was sie glauben (und dieser Meinung bin ich wirklich, vielleicht aber wegen anderen Gründen) weil sie Hebräisch und Griechisch nicht so intus haben.

  10. User Gravatar
    Eda
    July 14th, 2008 19:00
    10

    Ich weiss, dass die Bibel nur allzu menschlich ist, und ich weiss auch, dass der Faktor Mensch jede heisenbergsche Unschärfe weit, weit in den Schatten stellt.
    Ich bin nur überrascht, wie wenig sich manche Leute daran stören. In meinen Augen relativiert das nämlich jede Interpretation in einer gewissen Grössenordnung. Die mag noch so klein sein, doch niemals Null. Und dieses noch so kleine Restrisiko schaffe ich einfach nie bei den “Bibelfundis”, wie sie doch in einem anderen Beitrag hier genannt wurden, herauszuhören.

    Allerdings wenn man fähig ist zu glauben, dass da ein unsichtbarer Kerl irgendwo im Himmel sitzt und alles aufs pingeligste beobachtet und alle die nicht seinen Geboten folgen, obgleich er sie abgöttisch liebt, für alle Ewigkeiten zu Foltern beabsichtigt, dann ist man wohl auch prädestiniert zu glauben, dass die eigene Übersetzung eines Textes, den ich eigentlich gar nie im Original gelesen habe, genau dem ursprünglichen Inhalt entspricht. Der Glaube versetzt Berge, sprich, braucht sich nicht um Logik zu kümmern :-)

  11. User Gravatar
    Sam
    July 15th, 2008 00:03
    11

    Die Bibel sagt wohl nichts über ein ewiges Foltern, wenn man genau hinguckt. Aber du hast Recht: viele “Fundis” schauen einerseits nicht genau hin – was steht da wirklich – und andererseits behaupten sie oft (oft ohne hingeguckt zu haben) dass die Bibel unfehlbare 100%ige Inspiration von Gott ist. So quasi: weil Gott nicht schreiben kann, hat er alles einem dummen Menschen diktiert, der wie eine Maschine (ein Drucker) den Text raus gelassen hat.

    Und dann gibts noch die, die die Fragen verwechseln, die Wissenschaft (die Frage “Wie?”) und Religion (die Frage “Warum?”) zu beantworten versuchen. Da entsteht dann Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion – obwohl sie gar nicht diesselben Fragen angehen.

    Wissenschaft kann kein Warum erklären (und will es auch nicht) – die Religion erklärt kein Wie (und will es ursprünglich auch nicht).

    Sinnloser Konflikt. Wenn Prediger versuchen zu erklären, wie die Erde entstanden ist, dann wirds mir übel.

  12. User Gravatar
    Eda
    July 15th, 2008 00:21
    12

    Ich wollte nicht sagen, was die Bibel sagt oder nicht sagt, sondern dass der Mensch, wenn er inbrünstig glaubt, sich nicht unbedingt an Widersprüchen zu stören braucht. Ein Paradebeispiel sind gerade die erwähnten Fundis.

  13. User Gravatar
    Eda
    July 15th, 2008 00:27
    13

    Dass die Wissenschaftler über das Wie etwas zu sagen haben (und nicht so sehr über das Was) liegt durchaus auf der Hand, doch ich bin mir nicht so sicher, dass die “Religionisten” grössere Kapazitäten für das Warum sind als zum Beispiel Schreiner, denn ihre Quellen erachte ich als gleichermassen willkürlich – und recht hat der, der lauter schreit :-)

  14. User Gravatar
    Sam
    July 15th, 2008 08:42
    14

    die “Religionisten” grössere Kapazitäten für das Warum sind als zum Beispiel Schreiner, denn ihre Quellen erachte ich als gleichermassen willkürlich.

    Aber es steckt Kraft in den Aussagen dieses Zimmermanns aus Nazareth (entsprechend sind Schreiner wohl wirklich näher dran). Vielleicht besser: würde … stecken.

    Zu den Widersprüchen. Die kann es nur geben, wenn zwei unterschiedliche Antworten zu der gleichen Frage liefern. Wenn die Fragen aber unterschiedlich sind, sehe ich wenig Möglichkeit für Widerspruch – und deshalb keinen Sinn in Streitigkeiten zwischen Wissenschaft und Religion.

  15. User Gravatar
    Eda
    July 15th, 2008 12:41
    15

    Mein Punkt bezieht sich nicht im Geringsten auf die Streitigkeit zwischen Religuion und Wissenschaft.
    Ich behaupte nur, dass für einen Gläubigen das Gesetzt vom ausgeschlossenen Dritten (tertium non datur) nicht notgedrungen zu gelten braucht. Ein fiktiver “Religionist” könnte durchaus behaupten, dass die Himmelspforte gleichzeitig rund und viereckig ist. Und ein etwas weniger fiktiver, dass es nur einen Gott gibt und der ist drei :-D

    Ich glaube, dass ein essentieller Bestandteil des Glaubens der ist, den Schritt über den Schatten der Vernunft hinaus zu wagen. Etwas zu akzeptieren, obwohl die Sinne dagegen sprechen mögen.

  16. User Gravatar
    Sam
    July 15th, 2008 13:20
    16

    :-) Also mit “Gott” als Begriff für das oberste Gremium (vergleichbar “Verwaltungsrat”) und die “3″ als Gremiumsmitglieder (Verwaltungsräte) habe ich auch nicht so sehr Mühe.

    Der VR ist ein VR, besteht aber gleichzeitig aus mehreren Mitgliedern.

    Ausserdem muss man als kleiner Mensch schon auch sich denken können, dass es gewisse Dinge gibt oder geben könnte, die unsere Logik nicht erfassen kann. Ich weiss, das wird manchmal als Ausrede verwendet, nicht denken zu müssen – ich lass es aber trotzdem mal so im Raum stehen.

  17. User Gravatar
    Sam
    July 15th, 2008 13:21
    17

    Aber ja: Gott wird in vielen Kreisen gleichzeitig als 1 und 3 angesehen und nicht als Team.

  18. User Gravatar
    Claudio
    July 15th, 2008 13:32
    18

    Lustig, wohin ein Beitrag über die Volksbibel hinführen kann! Ich schaue bei eurer Diskussion gerne etwas zu, wohin das führen mag.

  19. User Gravatar
    Eda
    July 15th, 2008 13:49
    19

    Ich freu mich schon drauf in der Volksbibel vom Verwaltungsrat und den Verwaltungsräten zu lesen, da das ja Konzepte sind, die wesentlich intuitiver sind als “Gott” :-)

  20. User Gravatar
    Martin Dreyer
    July 27th, 2008 17:24
    20

    Cool, 19 Kommentare und bei mir nur 3 zu dem Thema ;+)

    Ich könnte jetzt viel zu der Diskussion sagen, aber irgendwie hab ich in letztet Zeit das Gefühl, dass eigentlich alles schon gesagt wurde (Alleine auf den Diskussionseiten vom wikipediaeintrag zur volxbibel ….)

    die 3.0 Fassung ist auf jeden Fall deutlich besser als die 2.0.

    Und das Alte Testament wird richtig rocken! Wir haben zum Beispiel alle Psalme als Rap gereimt.

  21. User Gravatar
    Eda
    July 28th, 2008 10:43
    21

    Wenn sich Martin bei der Anzahl der themarelevanten Beiträge unter 19 Kommentaren schon dermassen verzählt, dann will ich gar nicht wissen, wie das dann bei der ganzen Bibel aussehen wird.

    Interpretation ist nämlich in der Tat das Stichwort. Fraglich ist nur, welche Interpretation als gültig akzeptiert wird und welche nicht und wie es zu dieser Entscheidung kommt.

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