Für was taugen diese beiden Netzwerke? Wie nutzen wir sie? Philipp will solche Fragen beantwortet haben. Mich begeistert das Analysieren von Gruppendynamik im Internet – welche Funktionen fördern es, welche töten es ab? Die 9 Jahre mit meinem Bassisten Social Network haben dieses Interesse wachsen lassen. Und plötzlich – nach all diesen Jahren – ist das Thema aktuell…

XING – plombiertes Netzwerk für zahlende Headhunters
XING taugt nicht viel für Nicht-Premium-Mitglieder. Nur (mühsame) Headhunters, Freelancers und Verkäufer sind aktiv und zahlend dabei. Ihre Opfer sind die tausenden von Nichtzahlern. Zahler können sie durchkämmen.
Ich hatte XING vor den Facebook-Zeiten genutzt. Damals waren diverse Funktionen für alle offen. Als Nichtzahler habe ich heute wenig Gründe, vorbeizuschauen. Für die Jobsuche – da ziehe ich XING noch vor. Eine Arbeitsstelle habe ich so gefunden – somit hatte es für mich schon mal einen Wert. Man könnte heute meinen, XING wäre eine Plattform eines Vermittlungsbüros für Umsteigewillige. Und würde damit nicht weit daneben liegen.
Ich sehe die Gründe dieser Lahmheit in der Eintrittshürde. Bei Bassic habe ich immer Mitgliederbeiträge abgelehnt – man kann freiwillig spenden und erhält dafür zusätzliche Features freigeschaltet – die sind aber ausschliesslich “Goodies”, nie zentrale Funktionen. Man nennt sie die “Dankeschön-Optionen” und kommt auch ohne sehr gut aus.

Facebook – offenes Kontaktpflege-Netzwerk für Private
Facebook hat mehr vom fesselnden Charakter – wenn man sich eingelebt hat. Dadurch, dass viel mehr Funktionen als bei XING offen sind, zieht es die Leute immer wieder hin. Es gibt sehr unterschiedliche, teils spielerische Wege, miteinander zu kommunizieren – alle nutzen es unterschiedlich. Man kriegt dank dem “News-Feed” auf der Startseite viel mehr voneinander mit.
In meinen Augen ist die Plattform ideal, um Kontakte ausserhalb des engeren Freundeskreises zu pflegen. Losere Kontakte, die sonst eher untergehen würden. Und Auslandkontakte. Mal eine kurze Bemerkung zu einem Foto, mal ein kleiner Chat dort. Natürlich ist das viel oberflächlicher als ein Feierabend-Bier – das darf es aber trotz allem Respekt sein. Ein kurzer Austausch mit jemanden, den man seit 15 Jahren nicht mehr gesehen hat, ist interessant.
Was mir eindeutig fehlt, ist eine Art Besucher-Statistik im Facebook-Profil – oder habe ich da was übersehen? Auf Facebook-Pages, wie zB die meiner Band RETUR (RETUR auf Facebook), gibt es das, mindestens in einer rudimentären Version.
Social Media Marketing? Gute Milchkuh?
Wie sich Social Media Marketing entwickeln wird, mag wohl noch in den Sternen stehen. Geht es doch in solchen Netzen zuvorderst um den direkten Austausch unter “Bekannten”. Von aussen in ein solches Umfeld einzudringen, erfordert jede Menge Kreativität. Social Media ist vielleicht ein Hype – Social Media Marketing dadurch aber nicht automatisch erfolgreich. Weiter denkende (unverbrauchte) Köpfe sind gefragt.
Wer selbst aktiv in einer solchen Gemeinschaft teilnimmt, kommuniziert. Kommunikation hat ein Gegenüber. Man kann eigene “Produkte” unter seinen Freunden “kommunizieren” – zB das eigene Blog – aber der Aufwand pro generierten Besuch auf der Website ist unverhältnismässig hoch. Ich möchte nicht auf Kohle durch solche Aktivitäten angewiesen sein. Zwar ist Facebook zurzeit an zweiter Stelle betreffend Referrers hierhin (Messraum: letzte 2 Wochen), die Anzahl so “generierter” Besuche wäre aber mit geschickter AdWords-Werbung viel effizienter erreicht – wenn man in Zahlen rechnet.
Als aussenstehende Firma hat man wohl am ehesten Chancen auf preisgünstigen “Impact”, wenn man Apps entwickelt. Zuviele haben allerdings mit “viralen Funktionen” wie beispielsweise die Einladepflicht oder den fiesen Forward-Fallen dermassen übertrieben, dass Facebook genau an dieser Stelle momentan die Bremsen anzieht.
Social Media Blase?
Ob diese Plattformen wirklich soviel wert sind, wie sie gehandelt werden, muss sich erst mal zeigen. Ich zweifle daran – man denke doch nur schon an die laufenden Betriebskosten, die die 70’000 Facebook-Servers verursachen. Oder sinds inzwischen 100’000?