Blogger im Vorteil gegenüber Journalisten

Über den Einfluss der Medien in der Politik dachten wir in einem MAZ-Kurs nach. Eine Mitstudentin erzählte ein Beispiel aus ihrer Radioredaktion. Ein SVP-Gemeinderat rief eines Tages an und beschwerte sich über die verschmierten SVP Plakate. Die Redaktion nahm das Thema auf und machte einen Bericht über den empörten Politiker. So bekam die Partei eine Plattform.
Overnewsed but underinformed
Warum reagieren die Medien auf solche Geschichten? „Weil es sonst die anderen bringen.“ Das ist meistens das Argument. Das Wichtigste ist, einen Primeure zu schaffen, also als Erste die News zu bringen. Doch machen wir so nicht Journalismus für die Journalisten?
Es ist eine allgemeine Tendenz in den Medien und das schnelle Internet verstärkt die Entwicklung noch. Der Bernetblog brachte es gestern auf den Punkt: „Overnewsed but underinformed“.
Unabhängige Bloggers
Als unabhängige Bloggerin bin ich dem Newsdruck nicht ausgesetzt. Das ist eine Chance. Ich kann mehr Wert auf den Inhalt legen. Und vielleicht finde ich eines Tages die grosse Geschichte, die noch niemand brachte, aber Inhalt und Hintergrundinformation beinhaltet.








November 27th, 2008 14:59
Nur meine ich teilweise auch bei Blogs diese Journikrankheit zu erkennen: unbedingt den Primeur haben und der Qualität dabei ein kleinere Rolle zuzuteilen.
Was sind die Langzeitkonsequenzen?
Wenn ich Hintergrundinfos an die Öffentlichkeit dringen wollen würde, würde ich eher zu dem gehen, der sauber arbeitet (blogt/schreibt) und sich dabei halt etwas mehr Zeit für seinen Bericht nimmt als zu dem, der Maschinengewehrmässig alles sofort rauspustet.
(dazu fallen mir gerade gewisse Feeds in meinem RSS-Reader ein, die zu schnell sind)
November 27th, 2008 15:05
Ich lerne immer besser Story’s mal zu schreiben und nicht umgehend zu veröffentlichen. Eigentlich überlege ich mir sogar sowohl eine wöchentliche Publikation von ca. 4 – 7 Beiträgen zum selben Zeitpunkt und parallel einen Sideblog mit Schnellschüssen.
was meint ihr zu so einem Konzept? Macht das Sinn bei einem Blog?
November 27th, 2008 15:26
Stories nicht sofort zu veröffentlichen kann durchaus die Qualität steigern. Habe auch schon Dinge komplett gekippt – und das ist gut so.
Wöchentlich Publikation ist interessant weil unkonventionell – würde aber meinem Lesstil nicht entsprechen (was aber nicht für die Gesamtbenutzerschaft gelten muss).
Generell bekämpfe ich eher das Wort Blog schon seit langem (obwohl ich teilweise aufgegeben habe). Die meisten Blogs beschneiden sich durch Blogheit. Interessantes verschwindet zu schnell – leider habe ich noch kein Magazin-Stil-Theme gefunden, das usable ist und das Problem löst. (habe eins in Verwendung auf http://www.amnesty-rapperswil.ch )
Aber jetzt bin ich etwas abgeschweift.
November 27th, 2008 15:28
mir gefällt aktuell das kostenpflichtige Thesis Theme sehr gut. Nicht wirklich Magazin, aber irgendwie grossen platz für die grossen storys, und rechts platz für stream, links, shortcuts.
November 27th, 2008 15:33
Ne, ich brauch Magazin-Stil:
- gute, ältere Beiträge sollen noch sichtbar sein (mit Bild)
- mehr Beiträge sichtbar auf Startseite (aber mit Bilder)
- und trotzdem Platz für alles Andere
Werde uns wohl eins bauen lassen.
November 27th, 2008 15:35
BTW, leumund: kannst du jetzt ohne nachzuschauen sagen, wer von uns diesen aktuellen Beitrag geschrieben hat?
November 27th, 2008 16:49
Judith oder wie deine Frau auch immer heisst.
November 27th, 2008 17:07
Ich lasse eigentlich die meisten Stories über Nacht “ruhen” – manchmal auch zwei Nächte – und sende sie oft nach einem “ausgeschlafenen” Redigieren am frühen Morgen.
Und an einem ausführlichen Interview mit dem ukrainischen Schriftsteller Andrej Kurkow schreibe und redigiere ich jetzt seit genau einem Monat.
Dass ich ein Verfechter des Magazine-Style bin (wenn man etwas zu sagen respektive zu schreiben hat), muss ich wohl nicht erwähnen…
November 27th, 2008 18:12
@Sam
ich teile deine Meinung dass man gute Einträge von früher auf der Frontseite präsent halten sollte. Vielleicht braucht es dafür nicht einmal ein Magazin Theme sondern einfach eine übersichtlich aufgebaute Homepage. Daran studier ich halt auch rum. Das mit den Bildern ist sicher ein wichtiger Punkt. Wie findest du denn mein Wochenarchiv?
November 27th, 2008 19:59
[...] heutigen Beitrag von Judith habe ich dann genau diese Gedanken wieder aufgenommen. Dabei wurde mir bewusst dass ich eben kein [...]
November 28th, 2008 09:37
@leu: ein Wochenarchiv ist eine gute Idee – nur wird wohl kaum jemand auf diesen Link klicken. Ehrlich gesagt finde ich deine Startseite (http://leumund.ch) könnte einiges besser sein – mein Auge kann sich an nichts halten – alles fliegt irgendwie in der Luft rum…
Übrigens wegen der Autoren-Frage: ich merke irgendwie, dass viele Leute unseres Blogs (vielleicht mehr die RSS-Leser) jeweils nicht merken, von wem der Beitrag ist. Da suche ich auch bessere Lösungen – dazu werde ich sicher den RSS-Feed auch ändern müssen.
November 28th, 2008 09:40
@leu @krusenstern: ich versuche oft zu verstehen, wie es klassische News-Plattformen Leute (wie mich) dazu bringen, wirklich auf der Plattform rumzusurfen. Sie machen nicht alles falsch – auch wenn ich nicht der Meinung bin, dass ihre Online-Plattformen das Nonplusultra sind. Trotzdem können wir lernen.
Eines der Punkte ist: möglichst viele “Eingänge” auf der Startseite anbieten.
November 28th, 2008 09:45
@krusenstern: deine Startseite finde ich vorBildlich. In den rechten zwei Spalten dürften es auch noch einige Bilder mehr sein (nach meinem Geschmack), zB: Gravatare im Kommentarblock – würde den Block auflockern und gliedern. Beim Terminkalender bin ich nicht so sicher, dass der gebraucht wird und ob nicht der “Nächste Termine”-Block reichen würde.
November 28th, 2008 10:42
Wir schweifen ja hier sowas vom Thema ab, da wird sich Judith als Autorin die Augen reiben…
@Sam:
Den überflüssigen Terminkalender sieht man als Autor gar nicht mehr, wenn man seinen Blog täglich vor Augen hat. Betriebsblindheit halt. Ich habe das Teil nun gelöscht.
Die Gravatare bei den Kommentaren auf der Startseite funktionieren nur dann, wenn Blogger kommentieren. Krusenstern hat aber höchstens 20 Blogger mit einem Gravatar als Leser, was exakt 3,3 Prozent der Gesamtleserschaft entspricht. Und sooo schön sind die Gravatar-Ersatzbildli auch wieder nicht.
@leu und überhaupt:
Das Wochenarchiv bei Leu musste ich zuerst lange suchen – und ich finde die wöchentliche Titelgeschichte und darunter den chronologischen Ablauf zum Beispiel (m)eines Magazine-Themes besser lesbar.
By the way: Habt Ihr schon mal in einem fremden Blog im Monatsarchiv nach einem Beitrag gesucht? Wieso nervt dann in praktisch jedem Blog dieser endlos lange und langweilige “Kalender” ?!?
Um jetzt doch noch irgendwie den Link zu Judiths These von „Overnewsed but underinformed“ zu finden:
Das Kurzfutter in den meisten Blogs nervt mich genauso, wie jenes in den Pendlerzeitungen. Natürlich haben beide ihre Leserschaft – die sie gerne behalten dürfen. Wenn ich die Auswertungen meines Weblogs anschaue, dann gibt es genug andere Leser. So haben Mega-lange Geschichten wie jene über die Stadt Odessa oder über Zar Paul I. und General Suworow bisher über 1000 bis 2000 Leser gefunden. Letztere zählt übrigens 5600 Worte…
November 28th, 2008 11:50
Im letzten Online-Kurs am MAZ fragte der Dozent, wer Blogs lese. Fast alle verneinten. Auf die Frage warum meinten sie “Zeitverschleiss”. Der Dozent versuchte sie des Besseren zu belernen und päsentierte Krusensterns Blog und meinte: “Dort findet ihr zu Russland mehr Hintergrundbeiträge als in SDA.” Also, ein Vorzeigeblog. So wie nicht alle Zeitschriften Magazine sein müssen, können auch Blog vor allem auf Kurzmeldungen basieren. Aber ich finde es lohnt sich zu überlegen, was man eigentlich selber gerne will.
Der Zeitdruck ist bei vielen Bloggern vielleich noch höher als bei den Journis: Neben der Arbeit und vielleicht noch Familie jeden Tag den Blog füttern ist aufwendig, und da bleibt nicht mehr so viel Zeit für Hintergrundberichte. Aber vielleicht gilt auch hier, weniger ist mehr.
November 28th, 2008 12:36
[@krusenstern: die Ersatzbildli von Gravatar kann man selbst liefern (siehe zB hier das Fragezeichen). Das heisst, du könntest ein Babuschka (schreibt man das so?) zB nehmen, damit man erkennt, dass es Feedbacks von Menschen (Lesern) sind - was ein schnelles Auge nicht ohne Bild erkennt, weil es nicht angehalten wird.]
Wenn jetzt (noch) am MAZ auf Blogs wie Krusenstern hingewiesen werden, dann sollte das nicht verspielt werden. Ich stelle fest, dass es als riskant angesehen wird, ein Blog zu einem bestimmten Thema zu starten (ausser Gadgets, da gibt’s Millionen). Da fangen Leute lieber breite Allerlei-Blogs an, die logischerweise verwässern.
Ich muss unbedingt mein Bass-News-Blog starten, die Leser hätte ich (durch http://www.bassic.ch) ja schon.
November 28th, 2008 14:52
Matrjoschka heissen die aus Lindenholz geschnitzten Puppen…
… aber das kann mich nicht mehr erschüttern, wenn sogar die “Schweizer Illustrierte” eine mehrseitige Bildstrecke mit russisch inspirierter Mode gross mit “Babuschka-Style” titelt. Das russische Fotomodell hat sich daraufhin wohl aus Kummer in die Wolga gestürzt – Babuschka heisst nämlich Grossmutter
Der “Ersatz-Gravatar” ist aber eine gute Idee.
November 28th, 2008 15:22
“So wie nicht alle Zeitschriften Magazine sein müssen”
@Judith (und alle): ich habe wohl Nachholbedarf – was versteht ihr unter Magazin? Was versteht man unter Magazin-Theme für WordPress?
November 28th, 2008 15:26
Hoppla Krusenstern,
schon eingebaut, die Gravatars! Krass. Da ist noch einer, der handelt unter den Bloggern.
Ein BISSCHEN grösser dürften sie sein, mit 1 Pixel Rahmen in deinem Dunkelgrün (wie die Bilder links) und lieber an der oberen (virtuellen) Textkante aligniert (statt an der unteren Kante der ersten Zeile).
November 28th, 2008 15:57
@krusenstern
Stimmt, Archiv ist eh ähnlich wie Papierkorb irgendwie. ist ja auch manchmal Grund für kleine Frustrationen. Man schreibt was und ne Woche später ist’s vergessen. Ich glaub ich werde meine Statistikspielereien soweit weitermachen um mal aufzuzeigen wieviele Prozent der Zugriffe in welcher Zeit entstehen.
November 28th, 2008 16:53
Ich versuche mal (m)eine Definition:
- Ein Weblog im Magazine-Style ist konsequent auf die (über Generationen von bestehenden Medien geprägten und nur schwer veränderbaren) Lesergewohnheiten ausgerichtet.
- Ein Weblog im Magazine-Style hat eine Startseite mit Portalfunktion. Diese “organisiert” den Inhalt des Blogs und
präsentiert das Wichtigste. Das heisst, die Startseite verschafft dem Leser eine Übersicht für den Einstieg in das Thema, (ver-)führt ihn “in die Tiefe” des gesamten Inhalts.
- Ein Weblog im Magazine-Style hat eine substantielle Titelgeschichte, die mehrere Tage auf der Startseite bleibt, mit einem grossen Foto sowie einer Schlagzeile und einem Textauszug. Daneben/darunter die letzten lusminus fünf Titelgeschichten.
- Ein Weblog im Magazine-Style bringt unter der Titelgeschichte die chronologisch geordneten Beiträge – aber jeweils nur Auszüge oder Schlagzeilen mit einem Bild.
Soweit meine Definition.
November 28th, 2008 16:55
@Sam: Ich würde ja gerne, aber das “Schräubchen” dazu finde ich nicht…
November 28th, 2008 17:45
also ich find das eine gute definition von @krusenstern.
November 29th, 2008 08:56
@Judith:
Könntest Du nicht endlich das Thema Deines Beitrages den Kommentaren anpassen
November 29th, 2008 15:34
@krusenstern: interessante Idee eigentlich.
Es gibt so die ungeschriebenen Gesetze (überall und) beim Bloggen. Eines davon ist ja – soweit ich verstehe – keine Artikel zu verändern, ohne deutich darauf hinzuweisen. Da nun aber niemand erfgreich werden wird, ohne über Grenzen hinaus zu gehen, würde es mich reizen, Judith’s Beitrag einfach mit einem zu den Kommentaren passenden Text zu ersetzen – was aber wohl diverse negative Konsequenzen für mich hätte (odder, Judith?).
In ihrem Beitrag geht’s ja auch darum, dass Blogger in einigen Punkten freier sind als klassische Journalisten – nicht unter den Drücken stehen.
Legen wir uns untereinander – mit ungeschriebenen Gesetzen – unnötige Ketten an? Oder übernehmen wir von unseren grossen Journalisten-Vorbildern (über das journalistische Selbstwertgefühl der Bloggosphäre könnte man mal was schreiben) Ketten, die uns unfähig machen, anders zu sein und uns somit ins Blabla-Nirvana treiben?
Ich glaube, durch das Kopieren der Wege der klassischen Journalisten, senden wir uns ins gleiche Verderben.
(auch sollten wir uns von den alten, modern geordneten Strukturen lösen – und den Dialog höher schätzen als das BeimThemaBleiben
nicht? Sehen wir den Blogost als Anstoss für den Hauptteil (Dialog) oder den Dialog als kleine Ergänzung zum Hauptartikel? – das ist hier die Frage. Im klassischen Journalismus ist die Hauptsache immer der Artikel)
November 29th, 2008 16:21
(Bzgl Magazin-Theme: bin übrigens auch der Meinung, http://eigent.li/ch/ hätte ein mehr magazinartiges Theme nötig. Wäre weniger langweilig. Sie sind mehrere Autoren und die neue “now or never” Samstagskolumne wäre spannend.)
November 29th, 2008 17:27
Wenn mein Artikel Euch in eine solche Diskussion bringt, ist das doch super. Ganz neben dem Thema liegt ihr ja auch nicht, wenn ihr den Magazin-Style eines Blogs diskutiert. Aber Sam, Du darfst gernen einen neuen Artikel schreiben, der auf den Inhalt der Kommentare hinweist.
@sam: Printmagazin als Beispiel: Tagi-Magi. Aber Achtung, es macht süchtig
November 29th, 2008 22:34
Menschenskinder! Das war doch ein Witz…
… ich amüsierte mich nur darüber,dass die Diskussion eine ganz andere Richtung genommen hat, als ursprünglich vorgesehen.
Die “ungeschriebenen Gesetze” für Weblogs interessieren mich überhaupt nicht. Wieso sollte ich mir ausgerechnet in (m)einem Freiraum von irgendwelchen Pixelschubsern Regeln diktieren lassen!?!
October 23rd, 2009 23:16
Zitat Krusenstern:
“Und an einem ausführlichen Interview mit dem ukrainischen Schriftsteller Andrej Kurkow schreibe und redigiere ich jetzt seit genau einem Monat.”
Dann wollen wir doch einmal festhalten, dass dieses Interview bis zum heutigen Tage nicht erschienen ist.