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Facebook braucht vorerst kein Geld (für den Betrieb)

Thu 1. Jan 2009 - Sam - kommentieren

facebook
In den letzten Tagen konnte man in einigen CH-Medien die aufgewärmte alte Geschichte lesen: Facebook droht mangels Finanzierung unterzugehen. Sie müssen an ihrem Modell etwas ändern und entweder private Daten von den Mitgliedern verkaufen oder ein Gebührensystem einführen.

Diese Behauptungen sind lächerlich naiv und entbehren jeglicher Grundlage. Sie zeigen, was mit Qualität passiert, wenn Zeitungen in Blogs was lesen und daraus ein Blabla dichten.

Der grössten Social-Community im Internet könnte ihr Erfolg zum Verhängnis werden: Die Unterhaltskosten sind exorbitant. Nun überlegt man sich, ob die User künftig Gebühren bezahlen sollen.
Manuel Bühlmann in 20min.ch

Logischerweise kostet der Betrieb einer Plattform für 140 Millionen von Menschen mehr als eine kleine. Allerdings produziert eine Plattform mit vielen Benutzern auch sehr viel mehr Page Impressions - das ist Werbefläche. Die Kosten pro Benutzer sind keineswegs hoch - das versteht aber ein Normal-Journi nicht so leicht. Die Aussage “Nun überlegt man sich, ob die User künftig Gebühren bezahlen sollen” ist schlichtweg falsch, wenn im Artikel-Lead-In damit suggeriert wird, dass man sich solche Gedanken bei Facebook macht. Diese Behauptung widerlegt der Autor direkt selbst im eigenen Artikel:

Und auf die Frage, ob Facebook nicht neues Geld brauche, antwortete der 24-Jährige (Mark Zuckerberg) mit einem schlichten «Nein».

Es sind keine zusätzlichen Gelder nötig zur Zeit. Was auch nicht überrascht. Wie wir alle wissen - sogar 20 Minuten dank ihrer Umfrage bei Lesern - Gebühren würden den meisten den Spass verderben. Niemand (ausser Headhunters und Verkäufern) will ein XING (XING ist eine gebührenpflichtige Business-Networking-Website).

In verschiedenen Fachblogs wird spekuliert, wie Facebook sein Meganetzwerk zu Geld machen könnte. Die Rede ist von einem Gebührenmodell. So könnten die User in eine Art Zweiklassensystem aufgeteilt werden.
Manuel Bühlmann in 20min.ch

Diese etwas schwammige Aussage bezieht sich wohl auf die Aussagen bei TechCrunch-Blog, dass der Betrieb und Aufbau von Facebook Unmengen an Geld kostet. Dies ist zweifellos Tatsache, aber wie erwähnt: die Betriebskosten pro Benutzer ist die Zahl, die interessiert. Ich betreibe eine Plattform mit 17000 Mitgliedern. Der Betrieb kostet mich ca. CHF 800 pro Monat. Da ist Werbung, Hosting, Strom und Freizeit-Arbeit eingerechnet. Es finanziert sich zurzeit ohne Weiteres. Facebook hat 8240 Mal mehr Benutzer. Meine Plattform skaliert auf Facebook-Grösse würde CHF 6′592′000 pro Monat für den Betrieb kosten - und sich ebenfalls ohne Weiteres finanzieren.

Aufbau vs. Betrieb

Zurzeit ist Facebook noch in der Aufbauphase - das kostet sicherlich noch zusätzlichen Aufwand. Zum Beispiel die 50′000 neue Server, die 2008/2009 budgetiert sind. Aufbaukosten und Betriebskosten müssen aber stärker voneinander getrennt betrachtet werden, als dies oft getan wird. Gebühren für die Deckung der Betriebskosten sind sicherlich nicht nötig - Investoren für die Finanzierung der Aufbauphase durchaus.

Fuss auf der Werbe-Bremse

Momentan ist noch kein dringender Bedarf da, grössere Änderungen machen zu müssen. Im Gegenteil: Facebook steht noch auf der Bremse, was Werbung betrifft. Wer ein Werbebudget von mehr als USD1000 pro Tag einsetzen will, muss da schon dafür kämpfen. Umgerechnet auf meine Bassisten-Plattform würde das heissen: mehr als 14 Rappen Werbebudget pro Tag müsste von mir speziell bewilligt werden. So sollte allen klar sein: dies ist eine Einschränkung, die - solbald sie aufgehoben ist - hunderte von Millionen in die Kassen von Facebook schwemmen wird.

Ich interpretiere diese Einnahmen-Bremse so: Facebook will sich zurzeit auf den Ausbau konzentrieren und neue Mitglieder nicht durch übermässige und lästige Werbung - wie wir sie von MySpace her kennen - vergraulen. Wenn die halbe Welt dann registriert ist und Konkurrenzplattformen mit kleinerer Benutzerbasis grosse Mühe haben werden, die gleiche Funktionalität anzubieten und zu finanzieren, dann können die Werbegeld-Tore geöffnet werden. Dann werden Milliarden verdient. Die Mitglieder werden nicht so schnell weg wechseln, wenn ihre komplette Bekanntschaft bei Facebook ist.

Andere Blogger haben das Thema auch behandelt:
Ricdes: Facebook führt möglicherweise Gebühren ein? … HAHA.
Paddy: Facebook: Nicht mehr gratis?
Kloni: Facebook wird gebührenpflichtig!

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7 Responses to “Facebook braucht vorerst kein Geld (für den Betrieb)”

  1. User Gravatar
    Paddy
    January 2nd, 2009 01:13
    1

    Gut gebrüllt, Löwe. :-) Danke für die Gedanken zu diesem Thema. Ob’s ganz so socker ist mit der Finanzierung der Betriebskosten und ob mit der Werbetoröffnung tatsächlich Milliarden reinkommen weiss ich nicht. Aber es geht sicherlich in die Richtung.

    Die Frage ist aber, ob und wie schnell ein neuer Dienst kommt, der noch mehr fancy ist. Denn Loyalität steht bei der Web-Gemeinde hinter Trend.

  2. User Gravatar
    Sam
    January 2nd, 2009 14:14
    2

    Loyalität hinter Trend? Nein. Man ist dort, wo seine Bekannten sich aufhalten - als Social Media Interessierter teste ich neue Trends mal aus. Aber letztlich wird es sehr schwer werden für einen neuen Dienst, aus dem Stand alle meine “Friends” abzuwerben.

    Ein Normaluser will sich nicht an einem neuen Ort registrieren - Facebook reicht. Dort sind ja auch seine Freunde.

    Ich behaupte mal, dass Facebook zum Ziel hat, so schnell wie möglich diese kritische Grösse zu erreichen, damit sie dann keine Angst mehr haben müssen vor neuen, kleinen Diensten, seien sie noch so fancy.

  3. User Gravatar
    Sam
    January 2nd, 2009 14:18
    3

    Allerdings bin ich in dem Artikel davon ausgegangen, dass Facebook mit “aktiven Benutzern” einfach generell all meint, die einen aktiven Account haben. Wenn wir aber davon ausgehen, dass nur die gemeint sind, die wirklich regelmässig auf der Website aktiv sind, dann muss ich bei Bassic auch mit anderen Zahlen rechnen.

    Dann sind bei Bassic vielleicht 1000 aktiv und Facebook damit 140000x grösser. Das heisst, Kosten von 112 Mio. CHF pro Monat wären locker deckbar. Es gäbe dann auch eine andere Limite bei der Werbebremse, die wäre bei Bassic dann umgerechnet: ab 0.7 Rappen pro Tag bewilligungspflichtig.

  4. User Gravatar
    Kloni
    January 2nd, 2009 15:04
    4

    Wirklich interessanter Beitrag! Über die Gründe, warum Facebook noch nicht so viel verdienen möchte, kann man ja nur spekulieren. So lange sie sich über Wasser halten können mit der aktuellen Strategie…umso besser. Aber auch sie wollen irgendwann mehr, als sich einfach nur über Wasser zu halten. In immer neue Bereiche vorstossen und weiter expandieren wird die Durchschnittskosten steigen lassen!
    Naja…mal sehen wie es so weiter geht mit Facebook und Co. Sie gelten ja schon lange als Goldgrube … aber bisher findet man irgendwie den Eingang dahin noch nicht so ganz :)

  5. User Gravatar
    Sam
    January 2nd, 2009 15:07
    5

    Sie sind Goldgruben, weil eben genau die Masse noch nicht so recht weiss, wie umgehen damit! ;-)

  6. User Gravatar
    Fredy
    January 5th, 2009 19:20
    6

    Ist in den CHF 800 nur Hosting / Internet Feed oder auch Manpower inklusive?

  7. User Gravatar
    Sam
    January 6th, 2009 15:57
    7

    @Fredy: da ist alles drin, auch “Manpower” von mir in bescheidenem Mass.

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