„In unserem Gehirn liegt ein Fenster ins Jenseits“
Thursday, June 11th, 2009
Glaube und Wissenschaft – eine ewige Feindschaft? Susanne Schmid-Grether sieht das anders. Die Theologin interessiert sich für Geistes- und Naturwissenschaften. In der Neurotheologie findet sie beide Lehren vereint.
Susanne Schmid-Grether (Infobox: zur Person), im Begriff „Neurotheologie“ (Infobox: Neurotheologie) liegt doch eine gewisse Spannung?
Nach unserem heutigen Empfinden vielleicht schon. Aber Geisteswissenschaften, wie die Theologie, und Naturwissenschaften gehen erst seit dem Zeitalter von René Descartes getrennte Wege. Er sagte, man müsse Geist und Materie voneinander trennen. Im Judentum waren Glaube und Wissenschaft immer verbunden. In der Neurotheologie finden Geist und Materie nun wieder zusammen.
Wie gehen Neurotheologen der Frage nach der Existenz Gottes nach?
Der Neurowissenschaftler Andrew Newberg testete bei einem Mönch die Gehirnaktivität während einer Meditation. Vor allem eine Gehirnregion war aktiv. Als die Konzentration ein gewisses Ausmass erreichte, gab es wie ein Überlaufen des Systems: Die Hirnareale, die zuständig für Raum- und Körperwahrnehmung sind, wurden ausgeschaltet. In diesem Moment fühlte sich der Mönch eins mit dem Universum und eins mit Gott. Dies erklärt, warum es zu einer solchen Wahrnehmung kommt.
Und wo steckt jetzt Gott?
Das Experiment beweist weder die Existenz noch die Inexistenz Gottes. Die Neurologie erklärt nur, was im Gehirn bei einer Gottesbegegnung geschieht. Die Antwort liegt in der Quantenphysik.
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