Niederlage für Minarette und Jesus


Der Islam und unsere muslimischen Freunde haben ein Vertrauensproblem, das sie dringend angehen müssen (um nicht ganz verboten zu werden). Wenn die gemässigten Muslime dazu aufgerufen werden, sich stärker von Extremismus in diversen Ecken des Islams zu distanzieren, dann sind solche Aufrufe absolut berechtigt.
Ich distanziere mich hier als überzeugter Jesus-Nachfolger (“Christ” nenne ich mich aus Rücksicht auf meine Gallenblase und zur Beruhigung etlicher selbsternannten Christen seit einiger Zeit nicht mehr) vom Resultat der Minarettverbot-Initiative. Das Minarett-Verbot ist eine Niederlage für den christlichen Glauben.
Jesus lehrt gegenseitigen Respekt, Achtung und Offenheit gegenüber Fremden und ruft zu einem Miteinander über Grenzen hinweg auf. Jesus kennen lernen heisst u.a. auch eine Grundbefreiung von Ängsten (nicht, dass ich keine Angst hätte, blind und blutt über die Autobahn zu rennen, gewisse Hemmungen sind gesund, wie Mani Matter schon sang).
Der Gegensatz von Befreitheit wurde am Wochenende proklamiert – die Schweiz sagt der ganzen Welt: “wir haben Angst vor euch”. Und es stimmt wohl auch – die Schweiz bräuchte Befreitheit.
EdU, die (üblen) Kreuzritter
Wer sich von der Idee, die EdU sei eine christliche Partei, blenden lässt und denkt, das Christentum könne hoch gehalten werden, indem andere Religionen möglichst klein gehalten werden – täuscht sich.
Gewaltfreiheit statt Waffen
Diese abstruse Idee verneint Jesus: Unterdrückung wird nicht mit Waffen begegnet – man hält die andere Wange hin (ja, es tut weh). Man begegnet seinen vermeintlichen Feinden – mit Liebe, auch wenn so nicht alle Feinde Freunde werden. Versucht es zumindest (die EdU macht mir das schwer).
Dies sollte man auch gegenüber selbsteingebildeten Feinden und Bedrohungen tun. Muslime sind Freunde, nicht unsere Unterdrücker oder Feinde. Frieden erreicht man nicht mit Gewalt (Minarettverbot ist Zwang/Gewalt/Religionsfreiheitsentzug).
Der Islam hat unschöne Seiten – viele Frauen beispielsweise werden davon erzählen können. Blutfehden usw. Wie auch das Kastensystem im Hinduismus, Sklaverei bei tibetischen Buddhisten oder Kreuzfahrten und Ablasshandel in der Kirche und Höllenprediger bei den Christen. Diese Dinge verharmlose ich keineswegs und da muss auch der Islam “über die Bücher”.
Mutige werden sterben
Christsein zu leben braucht Mut. Nur Mutige werden dran bleiben können, wenn grosse Symbole des mächtigen Christentums durch andere Bauwerke ersetzt zu werden “drohen”, oder vielmehr wenn Ungerechtigkeit und Gewalt nahen. Manch ein Mutiger wird umgebracht werden – von wem auch immer. Das passiert täglich.
Wer ein starkes Christentum durch Einschränkung von Muslimen erreichen will, handelt gegen die Aussagen von Jesus und wie das kleine Kind:
When I was young, I kept praying for a bicycle. Then I realized God didn’t work that way – so I stole one and asked for forgiveness.
Stimmt man heute also für ein Minarettverbot und bittet danach scheinheilig um Vergebung? Meine Güte.
Teilnehmer sein
Die Jesus-Subkultur ist nicht auf Bauwerke angewiesen. Nicht durch Bauwerke bedroht. Sie fühlt sich vielleicht von Kirchengebäuden und scheinheiligen -Programmen etwas eingeschränkt. Sie durchdringt jede westliche oder östliche Gesellschaft und verändert sie zum Positiven. Alle – ob Moslems, Buddhisten, Hindus oder Vespa-Fans – sind eingeladen, Teil dieser Subkultur zu werden, mutig zu werden und zusammen mit übernatürlichen Kräften und Gott einen Impact zu haben, ob nun die Glocken läuten, die Muezzins rufen dürfen oder nicht.
Viele Leser hier sind Teil dieser Subkultur – ohne es zu wissen (und vielleicht ist das auch besser so, da bleibt die Theorie/Theologie draussen). Keep going – make an Impact! Behaltet ruhig eure Vespas.
Bild: Voyage Anatolia








December 2nd, 2009 13:13
danke für deinen beitrag. er vertritt bestimmt die aussage/ aufforderung der liebe von jesus. ohne auf das thema direkt einzugehen, möchte ich einen weiteren gedanken dazu fügen:
für mich stellt sich die frage, wo die gesuchte liebe in der absoluten toleranz verschwindet. in meinen augen hat jeder (in seinem verwaltungsspielraum) eine verantwortung dafür, was um ihn herum abgeht – und soll diese wahrnehmen. ich bezweifle, dass die verantwortung richtig genutzt wird, wenn nur noch alles toleriert wird.
es wird nur wenigen in den sinn kommen, einem aufwachsenden kind gesetze grenzen als “intolerant” oder “nicht aus liebe” zu bezeichnen. selbst dann – wenn die grenze vielleicht für das kind selbst keinen gewinn hat, aber das zusammenleben mit anderen unterstützt.
auch wenn der vergleich hinkt – in ähnlicher weise geht es darum, dass zusammenleben mit den eigenen überzeugungen zu gestalten/ ordnen. mit rücksichtiger liebe. mit voraus schauender weisheit. – aber ohne die eigenen überzeugungen zu leugnen.
wenn wir unsere werte der toleranz opfern, dann wird automatisch eine andere gruppe mit eigenen überzeugungen die führung in entscheidungen übernehmen.
December 2nd, 2009 13:14
Wow Sam, herzlichen Dank für diese guten und einfühlsamen Gedanken. Ich bin mir sicher, dass der am Sonntag zelebrierte Niedergang unserer Werte nur deshalb möglich war, weil die Brandstifter der SVP von den Kreuzrittern des Christentums unterstützt wurden. Gott dürfte geweint haben an diesem Sonntag, als er sah, was wir hier unter Frieden verstehen. Seit Sonntag schäme ich mich dafür, Schweizerin zu sein, ich hätte nicht gedacht, dass es je soweit kommt.
December 2nd, 2009 20:42
Sam, du hast den Nagel genau auf den Kopf getroffen.
Ich konnte das Stimmergebniss nicht fassen. Offen gesagt ist es mir ein Rätsel wie es in einem christlichen Land zu so einer Provokation Andersgläubiger/Denkender kommen kann. Gerade in der christlichen Welt wird doch immer die Nächstenliebe gepredigt. Ich vermute mal, da hat so mancher die Bibel verlegt oder die Nächstenliebe ist von der Hautfarbe oder anderen Oberflächlichkeiten abhängig. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst (3.Mose 19,18) ist wohl nicht so geläufig. Na ja, ist ja auch im alten Testament, welches ja, nach wie vor noch viele für Räubergeschichten halten. Wahrscheinlich hat sich an diesem Wochenende gezeigt, wie weit sich die Christliche Lehre (Katholische Kirche) vom Wort Gottes entfernt hat.
December 2nd, 2009 23:57
Und was sagte Jesus zum Thema ÜBER ANDERE RICHTEN?
December 3rd, 2009 07:13
Soviele Sams…
@Samuel, Diana, Ruedi – danke für euer Feedback.
@Sam 2 – Danke dafür, dass du eine Meinung hast und die vertrittst (zuviele schreiben dann einfach nichts hierhin). Manche Christen haben so sehr Angst davor, jemandem auf die Füsse zu treten, dass sie ein Weichspülchristsein leben. Auf sowas wartet die Welt nicht. Jesus selbst war kein Weichspülprediger, sondern ganz oft ganz bissig. Jesus war gegenüber den Insidern viel strenger als gegenüber den “Outsidern”. Er ging hart ins Gericht mit den Oberreligiösen und war sehr barmherzig mit den “kleinen Sündern” (Prostituierten, Ehebrecherin, …). Warum sind viele Christen gegenüber Insidern so himmlisch Überfreundlich und kritisieren alles ausserhalb (von Dracula-Songs bis Erotikmessen) aufs Übelste? Ich denke, das darf man durchaus anprangern, wenn das Jesus als Vorbild auch so gemacht hat.
December 3rd, 2009 09:06
Ok… mit der Gefahr, jemanden auf die Füsse zu treten, hier meine Meinung:
Gerade wenn Minarette verboten werden, besteht das schweizer Image als tolerantes Land weiter.
Hmm.. was bewegt mich zu dieser Aussage?
Hand auf’s Herz, ist der Islam eine Weltanschauung, die für Toleranz, Dialog und Meinungsfreiheit steht? Ich beantworte das mit nein und würde sagen, dass in vielen Themen eine Intoleranz an den Tag gelegt wird.
Man sollte hierzu einen Satz des Philosophen Karl Poppers betrachten: “Toleranz heisst die Intoleranz nicht zu tolerieren.”
Es wäre zu wünschen, dass der Islam sich künftig der Moderne öffnet und Mitglieder sichtbar aus der Gemeinschaft ausschliesst, die andere Meinungen mit Gewalt bedrohen. Dies ist bisher nicht geschehen… Erst danach könnte ein Minarett ein Symbol sein, das auch für Toleranz steht.
December 3rd, 2009 14:28
Alex, Du meinst also, wir werden toleranter, wenn wir Intoleranz mit Intoleranz begegnen?
An diesem Wochenende haben sich radikale Christen mit den Rassisten verbrüdert, an diesem Wochenende haben sie das Tor zur Hölle geöffnet.
Gemäss heutiger 20min-Amfrage würden 56% ein Kopftuchverbot befürworten, wer erklärt das den christlichen Nonnen oder meiner Freundin, die seit der Chemotherapie eines trägt?
Dieses Land wurde jahrelang mit braunem Gift verseucht, wir bewegen uns immer mehr auf den Zustand zu, den wir vor 50 Jahren schon mal hatten. Heisst es schon bald: “Kauft nicht beim Kebab-Stand?”. Und wird das nächste braune Regime wieder von der Christenheit getragen?
December 3rd, 2009 14:48
Alex,
ich teile (wie im Artikel auch geschrieben) absolut die Meinung, dass der Islam Probleme hat, die es dringendst angehen muss – und im momentanen Zustand frage ich mich, ob es eine Grund-Berechtigung hat, solange Gewalt nicht deutlicher verneint wird, Frauen unterdrückt werden etc…
Was aber nicht eine Rechtfertigung ist, mit solchen Initiativen gegen die Menschenrechte zu verstossen und das dann als aus christlicher Sicht OK anzusehen. Das ist es schlichtweg nicht.
Ich prangere vor allem das Vorgehen von gewissen selbsternannten Christen, die sowas mit dem Christentum begründen.
Wenn das Volk Angst vor Muslimen hat – wird dies gewisse Gründe haben. Die gemässigten Muslime haben es nicht geschafft, glaubwürdig zu zeigen, dass sie sich von Fundis distanzieren – dann ist es auch ihr Problem, wenn das Volk so reagiert. Die meisten Ja-Sager werden aus Angst so gestimmt haben – das finde ich einigermassen legitim.
Aber bitte diese Reaktion nicht christlich begründen.
December 3rd, 2009 16:35
@Sam – Karl Poppers den ich erwähnt habe steht ja nicht gerade für das Christentum.. Er ist mehr eine wichtige Figur im Humanismus.. Sorry wenn ich hier am Topic vorbei geschossen bin. Wenns um “Christensein” oder “wer seinen Glauben wie auslebt” geht, halte ich mich lieber raus..
@Diana – Zu Deiner Frage: JA. Ganz grundsätzlich ist das meine Meinung.. Wenn jemand etwas macht, was ich nicht ok finde, dann sag ich das auch und lass ihn nicht einfach weitermachen.. (Intoleranz nicht tollerieren)
December 4th, 2009 16:23
Tja, i bi ganz froh isch das so usecho! Wüll das ganze het mit Religion oder Glaube absolut nüd zdue! Es isch e Schand wie die linke jetzt es Ufsehe mache! Richtig pinlech! Es isch alles absolut politisch! I sire Religionsfreiheit isch niemer, aber o gar NIEMER igschränkt ir Schwiz! U weme als Christ em Islam freie Hand wot gä, chani das absolut ersch rächt NID verstah! I gloube nämlich, das d Christeverfolgig scho ganz gli düre Islam wird verstärkt wärde! Ok, mached nume, je schnälle si dörfe mache was si wei, umso schnäller chöimer dr Martyrer Tod stärbe! Oder wie o immer! Weme die ganzi Sach e chli gründlecher würd recherchiere, biblisch UND politisch, de würd me als Christ sicher nüme nei stimme! Menscherächt si keineswägs igschränkt, u Religionsfreiheit u Mänscherächt hei (für mi) nüd dermit zdüe, dr anger eifach la mache was er wot, u sälber zuluege, wie rundume alles zrund geit! Liebi NEI-stimmer, heit Dir würklich Lust druf Allah azbäte? Für mi isch das JA ganz klar gsi, wüll: DU SOLLST KEINEN ANDEREN GOTT HABEN! Und i wot Allah kei Platz gä ir Schwiz!!!!!!!!!!! AMEN! Gott sägne Euch!
December 4th, 2009 16:25
äh no öpis! Zum Titel: Hesch Du würklich z Gfühl, Jesus fahr e Niderlag i?
December 7th, 2009 06:39
Meldmi au wiedermol:
Bei der ganzen Minarett/Keinminarett-Sache sehe ich einfach ein grosses Problem – und es ist nicht das Problem der Menschenrechte. Das Problem ist, dass diese Initiative von vielen als eine RELIGIÖSE Frage angeschaut wurde. Ich aber finde es ist eine politische Frage wie jede andere. Das Extremum bilden Leute wie du, Sam. Nach deinem Artikel habe ich das Gefühl, du weisst, dass Christen die Ja stimmten schlechte Christen sind und Christen die Nein stimmten “richtige” Christen sind. Dein Argument, dass Jesus gerade Nichteinheimische sehr liebte scheint zu ziehen. Wir sollen unsere nächsten lieben wie wir uns selbst. Ich stimme dem zu – ich versuche es gar umzusetzen! Doch trotzdem stimmte ich bei der kantonalen Initiative für ein Rauchverbot ja, obwohl dies diskriminierend ist für meine Nächsten – die Raucher.
Ich stimmte auch ja bei der Unverjährbarkeit bei pornographischen Straftaten ja, obwohl Nächste – pornographische Straftäter dabei das Nachsehen haben.
Und hätte ich 1893 gelebt, hätte ich bestimmt mein ja gegeben, um das Schlachten von Tieren ohne Betäubung zu verhindern. Obwohl ich genau weiss, dass Jesus wahrscheinlich selbst Tiere ohne Betäubung schlachtete und dass dieses Verbot weit Diskriminierender ist, als das Minarettverbot!
Trotzdem: Ich habe ein reines Gewissen
und trotzdem: Ich werfe niemandem vor der anders gestimmt hat, er sollte ein schlechtes Gewissen haben.
Abstimmungen sollten also entweder GAR NICHT aus religiöser Sicht getroffen werden oder NUR aus religiöser Sicht. Und wenn du NUR aus religiöser Sicht abstimmst, dann hast du wohl ein Problem mit deiner Sozialkompetenz…
@Pjtsch: Muslime glauben, dass Jesus nie eine Niederlage einfieng. Ich aber glaube, er fuhr eine gewaltige Niederlage ein! – Doch am dritten Tag ist er auferstanden! Ja! Er ist wahrhaftig auferstanden!