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Archive for the 'Länder & Sitten' Category

Des Landes verwiesen!

Monday, June 16th, 2008

Monaco
Wir waren jung. Unterwegs von Italien nach Frankreich – per Anhalter. An jeder “Haltestelle” markierten wir unsere Präsenz mit schwarzer, wasserfester Schrift. Namen und Datum. Im edlen Staat Monaco übernachteten wir mit knurrenden Mägen unter Treppen einer Edelhotel-Baustelle. Vielleicht sind unsere Namen noch dort. Nachts hörten wir die rauschenden Funkgeräte der Polizisten, die einen halben Meter über uns patrouillierten. Wir hatten schon etwas Schiss.

Aber eben. Am nächsten Tag gings weiter. Natürlich wieder per Anhalter. Was wir nicht wussten: das ist nicht sehr erlaubt in Monaco. Die Polizei griff uns auf und fuhr uns netterweise an die Landesgrenze, von wo aus wir weiterreisen konnten. Hilfsbereite Leute waren das.

Clever wie wir sind – ungefähr ein Jahr später am gleichen Ort – wollten wir wieder ein solches Polizeitaxi mieten. Isch doch gäbig. So haben wir uns direkt vor der Polizeistation aufgestellt. Daumen hoch. Nur eben ist das “Stöpple” in Monaco verboten. Genau. Das wusste auch der gänzlich unmotorisierte Polizist, vor dessen Bürofenster wir dummerweise warteten. Wir wurden des Landes verwiesen, wie erhofft, aber ohne Taxidienst. Wandern war angesagt.

Foto: © Jens Havelberg / pixelio

Ich bin auch ein Holländer

Thursday, June 12th, 2008

HolländerkreuzWas tun wir jetzt? Zum Beispiel Weiterfeiern. Steinis haben die passenden Shirts dazu! Ab sofort verfügbar (auch ein Frauenshirt).

Update: es gibt jetzt hinter dem obigen Link auch Shirts für (bestätigte) Pessimisten. Oder Trauernde.

Embedded Journis: sie haben Wirkung

Wednesday, May 28th, 2008

Achtung: nichts für schwache Nerven.

Ein Bericht eines US-Soldaten, der im Irak “gedient” hat. Über die von den Kommandanten ausgesprochene Belohnung für “first kills” – auch wenn sie den Tod für unschuldige Menschen bedeuteten. Und über den Unterschied im Verhalten, wenn sogenannte “Embedded Reporters” dabei waren – in die Truppe integrierte Journalisten.

(Quelle: Huffington Post)

Menschenverachtende Regimes

Saturday, May 17th, 2008

verzweiflung.jpgImmer noch warten Tausende von Menschen im Burma auf Hilfe. Doch der burmesischen Regierung scheint alles andere als diese Menschen wichtig zu sein. Sie feiern einen fragwürdigen Sieg für ein Verfassungsreferendum und gratulieren auf der Titelseite ihrer Staatszeitung Norwegen zu ihrem Nationalfeiertag.

China als Mitschuldige
Frankreich versuchte die Militärjunta in Burma mittels einer UNO-Resolution zur Zusammenarbeit zu zwingen. Doch China stellte sich dagegen und verhinderte damit, dass den verzweifleten Opfer in Burma geholfen werden kann. China zeigt erneut, dass Menschenleben in ihren Augen nicht sehr viel wert sind. China wäre die Nation, welche das Burmesische Regierung überzeugen könnte, dass eine Öffnung des Landes notwenidig ist.

Zeichen der Zeit
Im Tagi berichtete am Dienstag ein Journalist aus dem Katastrophengebiet. Er traf einen Astrologen, der ihn darauf aufmerksam machte, dass nur die grossen Bäume, die kleinen aber nicht entwurzelt wurden. Daraus schloss er, dass in Burma demnächst die Mächtigen stürzen würden.
Da hoffe ich doch, dass der Magier die Zeichen der Zeit richtig deutet und auch die starren Strukturen in China bald erschüttert werden.

Wie kann man helfen?
Übrigens sammelt Word Vision für das Krisengebiet. Da sie seit vielen Jahren Leute vor Ort haben, ist es Ihnen auch möglich direkt zu helfen.

Der Blick schrieb dazu:
Die Organisation World Vision holt einige der mehr als 500 einheimischen Mitarbeiter zum Training nach Bangkok. «Sie lernen in drei Tagen, wie man Sanitäranlagen aufbaut und wartet», sagt James East in Bangkok. «Die nächste Gruppe macht einen Schnellkurs in Buchhaltung.» Zudem suche World Vision im Ausland Exil-Burmesen, die als Helfer in ihre Heimat gehen wollen.

Mit 80 Franken kann man einer Familie ein Überlebenspaket mit Wasser, Reis, Kochgeschirr, Decken, Kleidung, Plastikblachen und Medikamenten sichern. Hier geht’s zu World Vision Schweiz.

Twitter rettet

Wednesday, April 16th, 2008

Vor ägyptischer Gerechtigkeit. Besser gesagt vor ägyptischem Recht. Ein Journi-Student wurde eingebuchtet, weil er eine Demonstration fotographiert hatte. Er twitterte “Arrested” von seinem Handy. Seine Twitter-Freunde kontaktierten daraufhin seine Uni, die Botschaft und einige Presse-Organisationen. Etwas später twitterte er “Alive and OK. Still in Jail” – und wurde kurz darauf freigelassen. Sein Freund Mohammed Salah Ahmed Maree bleibt aber in Haft. Vielleicht klingt sein Name einfach weniger westlich als “James Karl Buck”.

(via Techcrunch)

China verspielt die Olympiade

Friday, March 14th, 2008

NZZ online berichtet über die momentane Situation im Tibet.

Unter anderem steht geschrieben:

Die chinesischen Medien verschwiegen am Freitag die grössten Proteste seit über einem Jahrzehnt systematisch. Ausländische Internetseiten, welche darüber berichteten, wurden von den staatlichen Zensoren sofort blockiert. Informationen sind schwer zu verifizieren, da die Kommunikation von Tibetern mit dem Rest des Landes strikt kontrolliert wird und Journalisten nicht frei nach Tibet reisen dürfen.

Wenn China nicht bald bessere Nachrichten in unsere Medien bringt, verspielt sie es noch mit der Olympiade. Ich hoffe nicht, dass wir “Westler” dann einfach in die heraus geputzten Station schauen und vor den Menschenrechtsverletzungen die Augen verschliessen.

Amnesty International berichtet
Amnesty International berichtet regelmässig über die Menschenrechtsverletzungen in China.
Im Moment aktuell ist die Anklage des Bürgerrechtlers Hu Jia Anklage.

Genauere Infos dazu findet ihr hier bei Amnesty. Dort findet ihr rechts einen Musterbrief, den ihr unterschreiben könnt um die Freilassung von Hu Jia zu fordern.

Über Rache, Gerechtigkeit und Vergebung

Tuesday, March 11th, 2008

the_kite_runner.jpgManchmal ist es von Vorteil, dass in Rapperswil die Filme erst so spät ins Kino kommen. So schaffte ich es gestern endlich Marc Forsters Werk “The Kite Runner” zu sehen. Ist ja unglaublich tragisch diese Geschichte. Eine der erschütterndsten Szenen ist die Vergewaltigung eines kleinen Jungen. Der Vergewaltiger lässt später im Film als Talibankämpfer eine Ehebrecherin steinigen.

Die Szene erinnerte mich an eine Überlieferung aus der Bibel:
Eine Ehebrecherin wird von den Gelehrten aus der Stadt geführt und soll für ihr Vergehen gesteinigt werden. Die Männer fragen Jesus, was er tun würde, denn das Gesetz schreibt die Steinigung vor. Die Antwort von Jesus ist: “Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.”

Der Islam kennt eine ähnliche Geschichte. In dieser Erzählung ist die Ehebrecherin schwanger. Der Heilige Prophet entscheidet, sie soll zuerst das Kind austragen. Das Kind kommt zur Welt, der Prophet empfiehlt, ihr drei weitere Jahre zu geben, um das Kind zu stillen. Danach sagt er: “Jetzt könnt ihr die Frau steinigen.”

Beim Urteil im Islam geht es um die Gerechtigkeit, bei der kein Unschuldiger mitbetroffen sein soll. Bei der neutestamentlichen Geschichte steht am Schluss die Vergebung. Wie unterscheiden sich die beiden Wege?

Der Film alleine weckte in mir einen riesigen Hass auf den Täter, am liebsten hätte ich ihn tot gesehen. Wie gross muss erst der Hass sein, wenn man so etwas selbst erlebt hat?
Heute war eine betroffene Person bei uns im Studio, um einen Fernseh-Talk zum Thema aufzunehmen. Als Vierjährige erlebte sie einen sexuellen Übergriff und als Teenager wiederholte sich die Tragödie. Sie erzählte: “Wenn ich später von sexuellen Übergriffen gehört habe, hätte ich den Täter auf der Stelle erschiessen können.” Jahre später habe sie den Peinigern vergeben können und der Hass liess nach.

Vielleicht ist das schwer nachvollziehbar, aber die Frau ist nicht verbittert, sondern hat einen Umgang mit ihrer schweren Vergangenheit gefunden.

Doch die Tat bleibt bestehen und mit ihr die Frage: Wird die Vergewaltigung mal gerächt? Wird beim “jüngsten Gericht” diese Tat in die Waagschale gelegt und bestraft? Oder ist sie für immer vergessen und vorbei? Was lässt Gott am Ende eines jeden Lebens walten? Ist es die Gerechtigkeit oder die Vergebung?

Verwandte Beiträge: Scham und Schuldkultur

Durchbruch in Kenia

Thursday, February 28th, 2008

Kibaki und Raila unterzeichnen VereinbarungIch würde sagen: im letzten Moment. Präsident Kibaki und Oppositionsführer Raila Odinga haben heute eine Vereinbarung zur Machtteilung unterzeichnet. Dies vor Diplomaten und laufenden Live-TV-Kameras.

Das ist ein Stück Hoffnung – jetzt kommt’s drauf an, ob diese Zusammenarbeit der zwei Feinde wirklich in die Praxis umgesetzt werden kann. Let’s hope so.

(Daily Nation)

Erneutes Aufflammen der Gewalt in Kenia?

Tuesday, February 26th, 2008

Die Verhandlungen zur Lösung des Konflikts in Kenia – unter der Leitung von Dr. Kofi Annan – sind gestern überraschenderweise ausgesetzt worden. Dies nachdem die Regierung in verschiedenen Punkten zurückgekrebst ist, die schon geregelt waren. Somit scheint eine Lösung für Kenia wieder in weite Ferne geraten zu sein – ein erneutes Aufflammen der Gewalt und Gesetzlosigkeit, die Kenia zurzeit schüttelt, scheint unabweichbar.

Die Oppositionspartei ODM ruft zu “mass action” ab Donnerstag auf. Was das bedeutet, haben wir hautnah in Nairobi miterlebt. Nicht gut.

Frieden: viel mehr als Krieglosigkeit

Friday, February 22nd, 2008

Barack MulukaEin Kurzinterview mit Barrack Muluka, Kenia. Ich hatte seine Kolumne im East Standard gelesen und ihn um seine Einsichten in die momentane Krise in Kenia gebeten. Freundlicherweise hat er sich für euch, liebe Leser, Zeit genommen. Barrack Muluka ist “publishing editor” und “media consultant” bei Mvule Africa Publishers.
 

Sam: We have heard of the current situation in Kenya. People are hoping for an end of the crises – what exactly are you hoping for? A new government, new elections, just peace, for things to go on as before the election?
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