Online-Medien hören nicht zu
Monday, October 25th, 2010Wer kommt mit ans mehr? Online-Plattformen der alten Medien bauen zwar Kommentarfunktionen ein, lesen die Kommentare aber höchstens auf Regelbrüche, nicht auf ihren Inhalt hin. Old School Thinking: da kommt eh nichts Wertvolles. Dabei wäre da die Korrekturhilfe kostenlos und schnell.
Ich kann mich kaum an Zeiten erinnern, in denen man einen Text nicht nachträglich korrigieren konnte. Viele Journis leben noch in dieser alten Zeit. Die Hauptaufgabe der 20-Minuten-Redaktion scheint darin zu bestehen, einwandfreie SDA-Meldungen * mit Schreibfehlern zu würzen und damit ihre Leser zu unterhalten. Finanziell geht das wunderbar auf.
Lustig, wie Journis dann überheblich rumposaunen, wie qualitativ unter jeder Sau alle anderen Text-Veröffentlicher sind. Oft trauen genau die lautesten Exemplare nicht, zu ihrem echten Namen zu stehen.
Wie kann das sein, dass die Online-Plattformen tagi.ch, 20min.ch oder welt.de übelste Schreibfehler über Stunden nicht bemerken und korrigieren obwohl die Leser sie ab dem ersten Kommentar darauf hinweisen (und oft via Twitter auf Schreibfehler hingewiesen wird – so neu ist Twitter jetzt auch wieder nicht)?
Nur ein Beispiel von welt.de:

Fehler passieren jedem. Aber entweder lesen die Online-Plattformen der alten Medien keinen einzigen Kommentar oder sie haben noch kein professionelles Korrektur-Workflow definiert. Beides nicht gerade Qualitätsbeweise. Schon um 9:25 wurde im ersten Kommentar auf den eigentlich auf den ersten Blick erkennbaren Fehler hingewiesen:
Drei Stunden später: keine Spur von Korrektur. Ich habe aber während dem Schreiben dieses Artikels (nach dem prüfenden Reload der Website) gemerkt, dass ein paar kritische Kommentare verschwunden waren. Korrigiert welt.de lieber die Meinung der Leser als den eigenen Artikel?
Macht von mir aus gleich viele Fehler wie wir Hobby-Blogger. Aber lasst euch auf echte Dialoge ein. Und weg mit der paranoiden, verzweifelten Hochnäsigkeit. Viele Blogger schreiben besseres oder zumindest korrekteres Deutsch und lesen Leserkommentare mit echtem Interesse. Sie lernen so viel schneller.
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* SDA-Meldungen: SDA-Meldungen kommen in einwandfreiem Deutsch daher. Schleicht sich im schnellen Betrieb doch ein Fehler ein, pusht die SDA die korrigierte Version sofort deutlich erkennbar nach.






Selten schrieb ich in den letzten Wochen hier einen Beitrag. Ich war einfach zu beschäftigt. Im 2008 war ich vor allem in meinem Job sehr gefordert. In der Redaktion gab es einen personellen Wechsel. Wir bekamen einen neuen Redaktionsleiter. Zwei Monate war der Posten unbesetzt und nachher folgte zuerst die Einarbeitungszeit des neuen Leiters. Das brachte mir und meinem Redaktionskollege zusätzliche Arbeit. 



